US-Regierung: Mehr Transparenz für Patienten

Die US-Regierung will mehr Licht in das Dunkel der Interessenkonflikte von Ärzten bringen. Laut „New York Times“ sollen Arzneimittel-Firmen und medizintechnische Unternehmen gezwungen werden, Zahlungen, etwa für Beratung und Vorträge, offenzulegen. Eine Bewertung der Zuwendungen als angemessen oder unangemessen sei nicht vorgesehen. Alle Daten sollen auf einer Webseite veröffentlicht werden, zu der jeder Bürger Zugang hat. Unternehmen, die bewusst relevante Informationen verschweigen, sollen zahlen  – und zwar bis zu einer Million US-Dollar jährlich. Ob außer Firmen auch andere potente „Sponsoren“, etwa Parteien und Krankenversicherer, Zahlungen an Ärzte offenlegen müssen, geht aus dem Bericht der US-Zeitung nicht hervor.

Der bekannte Grund für das Bemühen der US-Regierung: Finanzielle Zuwendungen beeinflussten Diagnose- und Therapie-Entscheidungen – und zwar nicht immer und unbedingt zum Wohle der Patienten. Außerdem entstünden dadurch noch höhere Kosten im Gesundheitswesen.

 

Weitere Informationen 

„Public reporting of physicians’ financial relationships“

 

 

Kognitive Defizite: US-Studie bestätigt Bedeutung stummer Hirninfarkte

Klinisch stumme Hirninfarkte und eine Hippokampus-Atrophie gehen unabhängig voneinander mit kognitiven Leistungsdefiziten einher, berichten US-Kollegen um Dr. Adam M. Brickman („Columbia University“ in New York) in „Neurologe“. Dieses Resultat einer Studie mit 658 mindestens 65 Jahre alten Personen bekräftige erneut, wie wichtig die Schlaganfall-Prävention sei, betont Brickman. Die Arbeit wurde von den „National Institutes of Health“ finanziert.

Doch folg daraus, dass bei vaskulären Hochrisiko-Patienten generell eine MRT indiziert ist? Kollegen der Universität Münster um Dr. Martin Ritter hatten kürzlich auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit manifester Schlaganfälle bei Patienten mit stummen Hirninfarkten hingewiesen (Der Nervenarzt“). Bei Diagnose eines stummen Hirninfarktes sei daher ein umfassendes „Screening nach Gefäßrisikofaktoren“ indiziert, wobei der Fokus auf der Hypertonie liegen sollte, betonten die Autoren. Ein generelles MRT-Screening auf stumme Hirninfarkte sei derzeit noch nicht kosteneffizient. Aber, so Ritter: „Hoch-Risikopatienten sollten auch ohne manifesten Insult mittels MRT untersucht werden.“ Welche besondere klinische Konsequenz der MRT-Befund allerdings hätte, erklären die Kollegen aus Münster nicht. Gegen kardiovaskuläre Risikofaktoren sollte und kann man schließlich auch ohne MRT-Befund etwas tun.

„Altersabhängig finden sich“ laut Ritter und seinen Kollegen „in der Normalbevölkerung in bis zu 30 Prozent der Untersuchten“ klinisch stumme Hirninfarkte. Die Prävalenz steige mit dem Alter. Bei 40- bis 50-Jährigen liege sie zwischen zwei und acht Prozent, bei 70- bis 80-Jährigen zwischen 12 und 30 Prozent. Die Lebenszeit-Prävalenz betrage für Frauen und Männer bis zum 80. Lebensjahr knapp zwei Prozent. Die meisten „stummen Infarkte“ seien lakunäre Infarkte, deren Ursache in der Regel eine zerebrale Mikroangiopathie aufgrund einer Hypertonie sei. Widersprüchliche Daten gebe es für den Zusammenhang zwischen stummen Infarkten und Diabetes sowie Rauchen. Kein positiver Zusammenhang sei jedoch zu erhöhten Cholesterinwerten und vermehrtem Alkoholkonsum nachgewiesen worden. Dies könne aber auch Folge von Studien mit zu wenigen Patienten sein, erklären Ritter und seine Kollegen. Erschreckend hoch sei das Risiko für stumme zerebrale Infarkte während zerebraler Angiographien. Mit rund 25 Prozent sei es zehnmal so groß wie das eines symptomatischen Hirninfarktes während eines solchen Eingriffes.

Das Verschweigen von Studien-Daten: riskant und teuer

Studien-Daten können manipuliert, aber auch auch verschwiegen werden. Das Verschweigen relevanter Studien-Resultate könne Patienten gefährden, führe zu unnötigen Kosten im Gesundheitswesen und schaden der Integrität der wissenschaftlichen Medizin, kritisieren nun mehrere Autoren in einer Serie von Beiträgen im „British Medical Journal“. Dr. Andrew Prayle („Nottingham University“) und seine Kollegen haben zum Beispiel herausgefunden, dass nur von 22 Prozent der im Jahr 2009 registrierten Studien („ClinicalTrials.gov“)  selbst ein Jahr nach Beendigung die Ergebnisse publiziert wurden. Ein anderes Autoren-Team hat festgestellt, dass nicht einmal die Hälfte der Studien, die von den „National Institutes of Health“ in den USA finanziert wurden, innerhalb von 30 Monaten nach Abschluss  in einer Zeitschrift mit „Peer-Review-Verfahren“ veröffentlicht wurde. Autoren eines dritten Beitrags wiederum kommen zudem zu dem Schluss, dass Metaanalysen unterschiedliche Ergebnisse haben, sobald bislang unpublizierte Daten berücksichtigt werden.

Metaanalyse zu Pradaxa: geringe, aber signifikant erhöhte Infarkt-Rate

Seit längerem wird über ein möglicherweise erhöhtes Herzinfarkt-Risiko unter Pradaxa diskutiert. Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse scheinen diesen Verdacht nun zu bestätigen („Archives of Internal Medicine“). Die Auswertung von sieben Studien mit 30 514 Patienten ergab eine signifikant höhere Rate an Myokardinfarkten und akuten Koronarsyndromen. Hier die Zahlen:

Pradaxa-Gruppe: 1,19 Prozent (237/20 000)

Kontroll-Gruppe:   0,79 Prozent (83/10 514)

 

Dies entspricht einer relativen Differenz von 33 Prozent. Die absolute Differenz ist jedoch sehr gering. Insgesamt sehe das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Pradaxa aufgrund der effektiven Schlaganfall-Prävention weiterhin positiv aus, so die Studienautoren Dr. Ken Uchino und Dr. Adrian Hernandez (beide „Cleveland Clinic“ in Ohio). Gleichwohl sollten kardiale Risiken weiter geklärt werden. Die Diskussionen um das mögliche Herzinfarkt-Risiko und um lebensbedrohliche  Blutungen unter Pradaxa belegten, wie wichtig es sei, nach der Zulassung eines Präparates sorgfältig Daten zu sammeln und auszuwerten, betont Professorin Rita F. Redberg, Herausgeberin der „Archives of Internal Medicine“, in einem Editorial zu der Publikation von Uchino und Hernandez.

Geistiger Abbau früher als gedacht

Mit dem Gedächtnis und anderen kognitiven Fähigkeiten geht es angeblich sehr viel früher schon bergab als bislang gedacht: Ein Team französischer und britischer Kollegen hat einen leichten kognitiven Abbau bereits bei 45- bis 49-jährigen Männern und Frauen festgestellt („British Medical Journal“).

Da die jüngsten Studienteilnehmer 45 Jahre alt waren, ist nach Angaben der Autoren um Dr. Archana Singh-Manoux (INSERM) aber nicht auszuschließen, dass dieser Prozess schon früher beginnt. Der Leistungsverlust sei bei älteren Menschen zwar erwartungsgemäß schneller vorangeschritten, berichtet das Team. Doch die Variationsbreite sei über alle Altersgruppen groß gewesen. Ein Drittel der 45- bis 70-Jährigen zum Beispiel habe sich während der zehnjährigen Beobachtungszeit überhaupt nicht verschlechtert. Untersucht wurden über 7000 Personen des öffentlichen Dienstes in Großbritannien.

Die Ergebnisse der Kohortenstudie stützen jene, die für eine Frühintervention zur Demenz-Prävention plädieren. Mit ein Grund für die Forderung nach einer frühen Intervention – etwa gegen vaskuläre Risikofaktoren – sind die insgesamt enttäuschenden Ergebnisse mit Pharmakotherapien in Demenz-Stadien.

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