Punktsieg für Sawicki

In seiner Auseinandersetzung mit dem Pharmakonzern Sanofi-Aventis über das Insulinanalogon Lantus hat Peter Sawicki, der Leiter des IQWiG, einen klaren Punktsieg errungen.
Obgleich bislang nur vermutet werden kann, dass das Diabetes-Medikament krebserregend sei, hat das französische Unternehmen schon jetzt einen deutlichen Schaden hinnehmen müssen. Zum einen ist der Umsatz von Lantus stark gefährdet, zum anderen ist das Image des Unternehmens ramponiert. Denn obwohl Sawicki selbst nur von der Möglichkeit spricht, dass Lantus krebserregend sei und alle Fachgesellschaften die vorliegenden Daten für widersprüchlich halten, ist Lantus kein Medikament mehr, dass Ärzte ohne jedes Bedenken verordnen werden. Und viele Patienten werden trotz gegenteiliger Empfehlungen der Diabetologen-Gesellschaften eine andere Therapie haben wollen.
Verständlicherweise wirft der Pharmakonzern Sawicki vor, die Patienten und Ärzte in natürlich unverantwortlicher Weise verunsichert zu haben. Und selbstverständlich bemüht sich das Unternehmen, über Pressemitteilungen und mit Hilfe geneigter Medien über den aus seiner Sicht wahren Sachverhalt aufzuklären, etwa mit dem Hinweis auf eine angeblich entlastende 5-Jahresstudie. Aber diese Bemühungen sind vergebens. Denn wer glaubt schon Medien, die fast nur von den Anzeigen der pharmazeutischen Industrie leben? Und wer glaubt schon der Pharmaindustrie, die ja nur ihre Interessen verfolgt und vor allem in der Vergangenheit immer wieder bewiesen hat, dass Vertrauen zwar gut, Kontrolle aber besser ist? (Dass eventuell auch Peter Sawicki eigene Interessen haben könnte, wird geflissentlich übersehen). Als deutlich glaubwürdiger wie Pharmaindustrie und bestimmte Fachmedien gelten eher Kritiker wie das „arznei-telegramm“, deren Redakteure sich natürlich die Mühe gemacht haben, die von Sanofi-Aventis ins Feld geführte 5-Jahres-Studie zu lesen, und nun dem Unternehmen gezielte Desinformation vorwerfen, da die Studie nicht das Krebsrisiko als Fragestellung hatte, sondern diabetische Netzhautschäden.
Unabhängig davon, wer da nun Recht hat, bleibt das Gefühl, dass an dem Verdacht mehr dran ist, als das Unternehmen zuzugeben bereit ist. Verstärkt wird dieses Gefühl leider noch dadurch, dass die so genannten Diabetes-Experten sich eher zurückhaltend und vorsichtig äußern. Man kann es ihnen allerdings nicht verdenken. Denn zum einen geben die bekannten Daten derzeit nicht mehr her, zum anderen wollen manche von ihnen es sich offensichtlich weder mit dem Unternehmen verscherzen noch mit dem sehr medienwirksamen Leiter des IQWiG. Wer möchte schon als habilitierter Pharmareferent in der Öffentlichkeit diffamiert werden?
Für das Unternehmen ist das Ganze auf jeden Fall schon jetzt eine Katastrophe. Ob diese Diskussion auch den Patienten schadet, wie Sanofi-Aventis behauptet, wird sich zeigen. Man kann das natürlich so sehen. Andererseits: Wer möchte ernsthaft Patienten das Recht absprechen, zu erfahren, ob sie mit einem vielleicht gefährlichen Medikament behandelt werden? Wäre es nicht unverantwortlich, sie nicht aufzuklären?
Aber wie geht es nun weiter? Wahrscheinlich wird es nie allseits akzeptierte Beweise geben, weder für die angebliche Gefährlichkeit noch für die angebliche Unbedenklichkeit von Lantus.  Das „arznei-telegramm“ hat wie erwartet bereits das Ruhen der Zulassung von Lantus gefordert – mit dem Verweis auf die jetzt publizierten Studien und auch auf schon länger bekannte experimentelle Daten. Die Luft wird dünn für  Sanofi-Aventis.

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