Die Qual der Wahl bei den Biologicals

Typisches Röntgenbild einer Rheumatoiden Arthr...
Image via Wikipedia

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual – etwa dann, wenn es darum geht, für einen Patienten mit Rheumatoider Arthritis das am besten geignete Biological auszusuchen. Die verfügbaren Biologicals sind nämlich alle wirksam, wie eine aktuelle Cochrane-Analyse nun ergeben hat, aber mangels ausreichender Vergleichsstudien ist eine rationale Differenzialtherapie alles andere als leicht. Die vorhandenen  Daten offenbaren aber dennoch einige Unterschiede.
Adalimumab, Etanercept und Rituximab erhöhen die Rate der Patienten mit einer klinischen Verbesserung (Urteil von Arzt und Patient sowie Zahl der geschwollenen Gelenke) nach Angaben der Cochrane-Forscher immerhin um 40 Prozent. Anakinra dagegen steigere diese Rate nur um sechs Prozent und habe sich damit bei diesem Beurteilungsparameter als das am wenigsten effektive Präparat erwiesen.
Als zweiten Parameter wählten die Cochrane-Wissenschaftler die so genannte Drop-out-Rate, die bei den meisten Biologicals unter zehn Prozent betragen habe. Am besten schnitten hier Etanercept, Abatacept und Infliximab ab, deren Drop-out-Rate auf dem in den Placebo-Gruppen gelegen habe.
Trotz dieser Daten fehlen nach Aussagen der Cochrane-Wissenschaftler aber aussagekräftige Vergleichsstudien. Dies gilt auch dann, wenn man vor der Frage steht, welche Therapie man wählen sollte, wenn ein RA-Patient auf einen TNFα-Hemmer nicht angesprochen hat. Nach Angaben von Privatdozentin Andrea Rubbert-Roth von der Universität Köln erreichen 20 bis 40 Prozent der Patienten mit einem TNFα nicht einmal eine 20prozentige Verbesserung nach den Kriterien des „American College of Rheumatology“ (Arthritis Research & Therapy 2009, 11(Suppl 1):S1). Bei noch mehr Patienten lasse außerdem die Wirksamkeit mit der Zeit nach. Die Frage nach der besten Therapiestrategie bei so genannten Therapieversagern sei aber noch nicht zu beantworten, da es hier an ausreichend aussagekräftigen Studien fehle.
In Deutschland soll, wie es auf dem Rheuma-Kongress in Köln vor kurzem hieß, übrigens noch in diesem Monat ein weiterer TNFα-Hemmer auf den Markt kommen – und zwar das pegylierte Certolizumab vom Unternehmen UCB. Eine positive Empfehlung hat die Europäische Arzneimittelkommission schon vor einigen Wochen erhalten. Die beiden Zulassungstudien RAPID1 1 und RAPID 2 mit rund 1600 RA-Patienten haben ergeben, dass 200 oder 400 mg Certolizumab Pegol plus Methotrexat im Vergleich zu Placebo plus Methotrexat signifikant die Ansprechraten verbessert und das radiologische Voranschreiten der Gelenkzerstörung bremst. Nach den neuen Daten ist langfristig vor allem dann mit einer guten klinischen Wirksamkeit des neuen TNFα-Hemmers zu rechnen, wenn die Patienten nach sechs Wochen eine DAS282-Verbesserung um mindestens 1,2 Punkte erreichen. Im Vergleich zu Patienten, die erst nach 12 Wochen ansprachen, hatten Frühansprecher nach einem Jahr signifikant weniger klinische Symptome. Zudem waren sie  bei Alltagsaktivitäten fitter wie die Spätansprecher. Vorläufige Daten belegen zudem, dass die Wirksamkeit sogar zwei Jahre anhält.
Fazit: Ohne direkte Vergleichsstudien wird die Qual der Wahl noch größer.

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