Pluspunkte für Op beim leichten Carpaltunnel-Syndrom

Beim mäßig ausgeprägten Carpaltunnel-Syndrom ist die Operation nach einer neuen Studie der konservativen Therapie leicht überlegen. Die Studie von Professor Jeffrey G Jarvik aus Seattle ist vor kurzem im „Lancet“ erschienen (Lancet 2009; 374: 1074–81). Teilgenommen haben 116 Patienten, 57 wurden operativ und 59 konservativ behandelt). Ausschlusskriterien waren unter anderen frühere Operationen wegen eines Carpaltunnel-Syndroms, handchirurgische Eingriffe in den sechs Monaten vor Studienbeginn und schwer Carpaltunnel-Syndrome. Die Operation bestand entweder in einer offenen oder einer endoskopischen Dekompression. Alle Operateure hatten mindestens zehn Jahre Erfahrung in der Handchirurgie. Die recht intensive konservative Therapie bestand aus NSAR, Steroid-Injektionen, Opioiden, Splinting und regelmäßiger Physiotherapie. Wenn sich die Symptome nach 6 Wochen konservativer Behandlung nicht besserten, wurde den Patienten therapeutischer Ultraschall angeboten ( 2 – 4 Anwendungen pro Woche). Bewertet wurden Funktion und Symptome mit Hilfe eines speziellen Scores, und zwar des Carpal Tunnel Syndrome Assessment Questionnaire (CTSAQ). Wenn der Befund auch nach drei Monaten noch nicht besser war, wurden die Patienten operiert.

Nach 12 Monaten wurden die Ergebnisse von 49 der operativ und 52 der konservativ therapierten Patienten ausgewertet: Die Symptome waren in der OP-Gruppe bei 80 Prozent und in der Vergleichsgruppe bei 71 Prozent besser geworden (p = 0,0357). Allerdings war das funktionelle Resultat signifikant besser bei den operierten Patienten: eine mindestens 30prozentige Funktionsverbesserung hatten 67 Prozent der operierten Patienten, aber nur 46 Prozent der konservativ behandelten Patienten ( p = 0,0081). Die Unterschiede im Ergebnis waren nach Aussage der Autoren allerdings klein und von eher geringer klinischer Relevanz.
Abhängig war das Ergebnis vom EMG-Befund: Patienten mit einer distalen motorischen Latenzzeit  von weniger als 5 Millisekunden profitierten von einer Operation nicht mehr als von einer konservativen Behandlung. Überlegen war die Operation allerdings bei Patienten mit einer Latenzzeit von mindestens 5 Millisekunden. Keine Unterschiede wurden zwischen konventioneller und endoskopischer Operation gefunden, wobei aber die statistische Power unzureichend war, um einen eventuell vorhandenen Unterschied entdecken zu können. Eine Cochrane-Analyse hatte vor kurzem aber ebenfalls keinen Vorteil des endoskopischen Eingriffes ergeben.
Die Ergebnisse dieser aktuellen Studie seien nun aber kein Grund, jedem Patienten mit mäßig ausgeprägtem Carpaltunnel-Syndrom gleich eine Operation anzubieten, meinen Isam Atroshi und Christina Gummesson von der Universität von Lund in einem Kommentar zu der Studie. Noch unklar ist nach Aussage der beiden Kommentatoren die Rolle der MRT. Die recht hohe Rate an normalen MRT-Befunden in der aktuellen Studie spräche sicher gegen eine Routine-Diagnostik mit der Kernspintomografie.
Intensiv erforscht wird die Kernspintomografie zur Diagnostik fokaler peripher Nervenläsionen übrigens an der Universität Heidelberg. Für den Heidelberger Neuroradiologen Professor Martin Bendszus gewinnt die Kernspintomografie immer mehr an Bedeutung, zum einen weil sie dem Operateur präzisere Angaben zur Lokalisation des fokalen Schadens geben könne, zum anderen aber auch weil die Qualität der elektrophysiologischen Diagnostik, deren Aussagekraft ohnehin begrenzt sei,  zunehmend schlechter werde.

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