Tamiflu – ein richtiger Renner für Roche

Oseltamivir
Image via Wikipedia

Die Entwicklung bei der Impfung gegen Schweinegrippe ähnelt ja zunehmend einem Trauerspiel und Ärgernis. Ganz anders dagegen die Datenlage zu dem Neuraminidasehemmer Tamiflu® (Oseltamivir) von Roche. Aktuelle Daten von allerdings retrospektiven Studien bestätigen, dass der Neuraminidasehemmer möglicherweise bei Schwerkranken die Mortalität senkt.

Die aktuellen Studien-Daten sind vor kurzem in San Francisco bei der „Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy“ vorgestellt worden.
In einer retrospektiven Studie aus Hong Kong erhielten 395 von insgesamt 760 Patienten, die wegen  schwerer saisonaler Influenza hospitalisiert waren, Oseltamivir.
Ergebnis: In der Therapie-Gruppe betrug die Sterberate 3,8 %, in der Vergleichs-Gruppe 6,0%, was einer relativen Risikoreduktion von 37% entspricht. Die Studie hatte eine Dauer von 24 Monaten. Die Patienten waren im Mittel 70 Jahre alt. 60% von ihnen hatten eine chronische Erkrankung.

Für eine weitere Studie waren die Daten von 215 Patienten aus zehn Ländern ausgewertet worden. Bei allen Patienten war eine A-H5N1-Influenza diagnostiziert worden. Ergebnis dieser retrospektiven Studie: Nur 11 von 89 unbehandelten Patienten (12%) überlebten. In der Therapie-Gruppe mit Tamiflu waren es dagegen 45 von 85 (53%). Bei einer Untergruppe von Patienten, die den Neuraminidasehemmer innerhalb von zwei Tagen nach Symptombeginn erhalten hatten, betrug die Überlebensrate sogar 71%. Die Studie war von Wissenschaftlern der „ Avex Avian Influenza Expert Group“ und der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“ in Zusammenarbeit mit Roche durchgeführt worden.

Eine dritte Studie bestätigte zudem, dass es zwischen Tamiflu und Warfarin zu keinen negativen Wechselwirkungen kommt. Die Studie wurde gemacht, weil vereinzelt der Verdacht aufgekommen war, dass der Neuraminidasehemmer die Wirkung von Warfarin verstärkt. Die in Großbritannien zuständige Behörde, das MHRA, prüft diesen Verdacht seit geraumer Zeit. Britische Medien haben im vergangenen Monat sogar davon geredet, dass 600 000 Menschen in Großbritannien einem erhöhten Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle ausgesetzt sein könnten. Auf einen möglichen Zusammenhang hatte 2006 auch die kanadische Arzneimittelbehörde hingewiesen. Nach überwiegendem Konsens der Wissenschaftler machen die pharmakologischen Eigenschaften des Neuraminidasehemmers Wechselwirkungen jedoch insgesamt unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz heißt es in der Fachinformation zu Tamiflu, dass Vorsicht geboten sei bei gleichzeitiger Therapie mit Medikamenten, die einen engen Wirkspiegel haben, etwa Methotrexat.

Nicht ganz so positiv scheinen allerdings die Daten zur Resistenzentwicklung zu sein: Die Zahl der gesicherten Resistenz-Fälle auf Tamiflu beträgt derzeit 23.  Und niederländische Wissenschaftler haben gerade eine Studie veröffentlicht, wonach vor 2007 noch 98 % der Influenza-A- und -B-Viren empfindlich waren für Oseltamivir und Zanamivir. Dagegen waren nur noch 24 % der 2007 und 2008 untersuchten A H1N1-Viren empfindlich für Oseltamivir.

Für Roche aber hat sich Tamiflu in dieser sonst so Blockbuster-armen Zeit zu einem richtigen Renner entwickelt: Mit etwa 1,3 Milliarden Euro Umsatz in diesem Jahr rechne das Schweizer Unternehmen, hieß es vor kurzem auf einer internationalen Pressekonferenz in Basel. Das ist mehr als dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. Allein in den vergangenen fünf Jahren soll das Schweizer Unternehmen laut Focus-Money über 4 Milliarden Euro Umsatz mit ihrem Grippemittel gemacht haben, der Konkurrent GlaxoSmithKline mit Relenza® übrigens knapp 600 Millionen Euro. Besonders freuen kann sich der gebürtige Österreicher Norbert Bischofberger, Erfinder von Tamiflu und wissenschaftlicher Leiter des kalifornischen Unternehmens Gilead, von dem Roche die Lizenz für das Grippemittel erhalten hat. Einen Umsatz von rund 52 Millionen Dollar soll Gilead allein von April bis Juni dieses Jahres mit den Vertriebsrechten gemacht haben.

Wenn einer reicher wird, wird natürlich ein anderer ärmer. Der deutsche Steuerzahler etwa: 90,14 Millionen Euro wurden für die Beschaffung von antiviralen Arzneimitteln gegen den aktuellen Erreger A H1 N1 und andere Influenzastämme ausgegeben, wie das zuständige Bundesministerium auf Anfrage von „facharzt.de“ mitgeteilt hat.  Aber das sind wahrlich „peanuts“ gegen die Ausgaben für die Impfung:  Rund eine Milliarde Euro sind laut „Financial Times Deutschland“ bislang für die Impfung von 50% der Versicherten vorgesehen. Pro zehn Prozent mehr beliefen sich die Kosten auf rund 200 Millionen Euro, sagte vor kurzem Dr. Klaus Theo Schröder. Der Staatssekretär hatte recht, als er am 11. 9. bei einer Sondertagung der Gesundheitsministerinnen und -minister in Brüssel die alleserklärende Erklärung von sich gab: „Die Influenzapandemie stellt alle Staaten vor große Herausforderungen. ”

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