„Lancet“ zieht Cooperate-Studie zurück

Die britische Fachzeitschrift „The Lancet“ hat die Publikation der Cooperate -Studie zurückgezogen, nachdem eine Untersuchung ergeben hat, dass der Autor wohl  betrogen hat (Lancet 2009, 374, 1226). Die Studie von Naoyuki Nakao war im Januar 2003 in der Print-Ausgabe der Fachzeitschrift erschienen. Ergebnis war, dass die Kombination des ACE-Hemmers Trandolapril mit dem AT1-Antagonisten Losartan bei Patienten mit nicht-diabetischer Nephropathie den jeweiligen Monotherapien überlegen ist.

Nach der Publikation wurden allerdings in mehreren Kommentaren im „Lancet“  erhebliche Zweifel an den Daten und Autoren geäußert, so dass ein universitäres Untersuchungskomitee sich die Studie genauer ansah. Das Ergebnis der Untersuchung: Zum einen war die Studie entgegen den Behauptungen des Autors weder von der Ethik-Kommission der Klinik genehmigt worden, noch hatten korrekte Einwilligungen der teilnehmenden Patienten vorgelegen. Zum anderen hatte offensichtlich kein Biometriker die Studie mitbetreut. Cooperate war außerdem keine Doppelblind-Studie: Nakao kannte die Zuteilung der Patienten, wusste also, welcher Patient wie behandelt wurde. Zudem konnten die Studien-Daten nicht nachvollzogen werden, so dass der Verdacht auf Daten-Fälschung besteht.
Die Studie hat einfach zu gut ausgesehen, um war zu sein“, sagte dem US-Fachjournalisten Larry Husten von „cardiobrief“ der in den USA lebende Schweizer Kardiologe Franz Messerli .  Wie andere Experten auch hatte Messerli von Beginn an Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Daten. Das Ergebnis der Studie, so Messerli, habe einfach zu gut in die simple, aber damals moderne Vorstellung gepasst, dass, wenn eine einfache RAS-Blockade wirksam sei, eine duale, also stärkere RAS-Blockade noch besser sein müsse.
Die Tatsache, dass selbst eine so renommierte Zeitschrift wie der „Lancet“ nicht vor Wissenschaftsbetrug gefeit ist, überrascht kaum. Auch andere große Fachzeitschriften sind auf „gefakte“ Studien hereingefallen, etwa „Nature“. Betrüger wird es immer geben, auch unter Wissenschaftlern. Viel interessanter und das eigentliche Problem ist die Frage, wie glaubwürdig überhaupt all die wissenschaftlichen Daten sind, die täglich publiziert oder auf Kongressen präsentiert werden. Zweifel sind nicht allein deswegen berechtigt, weil hinter vielen, wenn nicht gar den meisten publizierten Studien ein Auftraggeber oder Sponsor steckt, der primär kommerzielle oder politische Interessen verfolgt. Zweifel sind vor allem angebracht, weil trotz aller Bemühungen um mehr Transparenz noch immer die Tendenz überwiegt, nur positive Studien zu veröffentlichen – was natürlich eine Verzerrung der wissenschaftlichen „Wahrheit“ bewirkt.

Verstärkt wird diese Tendenz zur Verzerrung dann noch durch die zunehmende Neigung insbesondere von Fachmedien, so gut wie nur noch Positives an ihre Leser weiterzugeben – entgegen dem journalistischen Credo, wonach eigentlich nur „bad news good news“ seien,  aber vor allem entgegen der journalistischen Aufgabe, gründlich zu recherchieren und objektiv sowie differenziert zu berichten. Was ja nichts anderes bedeutet, als die Leser nicht zu „beschummeln“.

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