Akupunktur bei Migräne-Attacken wirksam, aber …

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Ist die Akupunktur bei Migräne-Attacken eine Alternative zu medikamentösen Therapie? Eine vor kurzem in „Headache“ veröffentliche kontrollierte Studie chinesischer Wissenschaftler kam immerhin zu dem Ergebnis, dass die Akupunktur einer Schein-Akupunktur überlegen ist (Li, Y. et al. Acupuncture for treating acute attacks of migraine: a randomized controlled trial. In: Headache 2009, 49, 805–816).

An der Studie nahmen 175 Patienten mit Migräne teil. Sie wurden drei Gruppen zugeteilt, einer Verum-Gruppe und zwei Schein-Akupunktur-Gruppen (Nadelapplikation zwischen den klassischen Akupunktur-Punkten oder außerhalb der Kopf-Region). Primärer Endpunkt war die Kopfschmerz-Intensität, bewertet mit der VA-Skala (visual analogue scale), die von = (keine Schmerzen) bis 10 (sehr starke Schmerzen) reicht. Vier Stunden nach der Therapie fanden die chinesischen Wissenschaftler einen signifikanten Unterschied (minus 1 Punkt auf der VA-Skala) zu Gunsten der Verum-Akupunktur.
Für den Essener Neurologen Professor Hans-Christoph Diener, der die Arbeit der chinesischen Kollegen unter die Lupe genommen hat, sind die Ergebnisse jedoch nicht sehr überzeugend. Wie Diener in „Natur Reviews Neurology“ schreibt, hatten 38 bis 51 Prozent der Patienten keine autonomen Begleitsymptome einer Migräne wie Erbrechen oder Übelkeit. Daraus könne gefolgert werden, dass sie möglicherweise gar keine Migräne hatten. Außerdem war die Kopfschmerzintensität zu Beginn derTherapie mit einem Wert von 5 auf der VA-Skala für Migräne-Attacken recht gering. Bescheiden und von fraglicher klinischer Relevanz war auch, wie Diener betont, die Verbesserung um nur einen Skalen-Punkt. In einer eigenen Studie bei Migräne-Patienten habe er vor einigen Jahren selbst in der Placebo-Gruppe eine Verbesserung von 2,2 Punkten festgestellt, in der Verum-Gruppe (ASS, Paracetamol und Coffein) sogar eine Reduktion um 4,5 Punkte.
Darüber hinaus sei die Akupunktur bei Migräne-Attacken eine rein organisatorisch doch recht unpraktische Behandlung, da die Patienten ja trotz starker Kopfschmerzen und autonomer Symptome erst einen Arzt aufsuchen müssten, der die Akupunktur beherrscht. Auch aus diesem Grund ist für Diener die medikamentöse Therapie weiterhin die Therapie der Wahl bei Migräne-Attacken.

Link zur Quelle: Nature Reviews Neurology 2009, 5, 469-470

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