Konventionelle Prostatektomie besser als Roboter?

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Image by MTS.KBK via Flickr

Nicht immer muss das Neue besser sein als das Alte: Beim Prostata-Ca zum Beispiel hat die minimal-invasive Op mehr Komplikation wie die konventionelle Operation. Ergeben hat das eine US-Studie, die vor kurzem im „JAMA“ erschienen ist.
Viele Männer bevorzugen den minimal-invasiven Eingriff in der Vorstellung, eine solche Operation, in den USA oft Roboter-gesteuert, führe zu besseren Ergebnissen. Ihre Studie habe jedoch ergeben, dass es nach dem minimal-invasiven Eingriff häufiger zu einer Inkontinenz und Erektilen Dysfunktion komme, berichten die Autoren Dr. Jim Hu vom „Brigham and Women’s Hospital“ in Boston und seine Kollegen (JAMA 2009, 302(14):1557-1564).
Seit Einführung des „ daVinci-Systems“ (Intuitive Surgical Inc.) zur Roboter-gestützten Op werde immer häufiger mininmal-invasiv operiert,  erklärt Hu. Professor Michael Stöckle von der Universitätsklinik des Saarlandes schätzt, dass in den USA 2007 rund 70 Prozent aller Prostatektomien mit Hilfe der neuen Technik durchgeführt wurden. Geworben werde dafür, so Hu, mit einem geringeren Trauma, weniger Blutverlust, niedrigerem Infektionsrisiko und auch weniger postoperativen Schmerzen. Es gebe bislang jedoch kaum Studien, in denen das Hightech-Verfahren mit der konventionellen Operation verglichen worden sei. Hu und seine Kollegen haben daher die Medicare-Daten von fast 9000 Männern mit Prostata-Ca ausgewertet, die zwischen 2003 und 2007 entweder minimal-invasiv (1938 Männer) oder konventionell (6899 Männer) operiert wurden. In diesem Zeitraum stieg die Häufigkeit des angeblich schonenden Verfahrens um den Faktor 5.
Hinsichtlich der Tumor-Entfernung erwiesen sich die Verfahren als gleichwertig. Überlegen war der minimal-invasive Eingriff bei der Dauer des Krankenhausaufenthaltes (2 versus 3 Tage) und Zahl der erforderlichen Bluttransfusionen ( 3% versus 21%). Männer mit minimal-invasiver Op hatten zudem seltener postoperative Atemprobleme (4,3% im Vergleich zu 6,6%). Im Vergleich zur herkömmlichen Op litten sie postoperativ (Beobachtungsdauer über 18 Monate)  jedoch häufiger an Inkontinenz (15,9 versus 12,2 auf 100 Personen-Jahre) und ED (26,8 versus 19,2 auf 100 Personen-Jahre). Auffallend war nach Angeben von Hu auch, dass die Männer mit dem minimal-invasiven Eingriff ein durchschnittlich größeres Einkommen und einen höheren Sozial- und Bildungsstatus hatten.
Nach Angaben von Ryan Rhodes, Marketing-Direktor von „Intuitive Surgical“  geht aus den Studiendaten allerdings nicht klar hervor, bei welchen Männer ein Roboter-gestützter Eingriff gemacht wurde oder eine andere minimal-invasive Op. Mehr als 800 Studien hätten die Vorteile der Roboter-gestützten Op belegt, sagte Rhodes der Nachrichtenagentur „Reuters“.
Der New Yorker Urologe Dr. Herbert Lepor jedoch, der eine dieses Jahr publizierte Studie zur Roboter-gestützten Op gemacht hatte, sagte:  „Die Daten belegen nicht, dass das Hightech-Verfahren der konventionellen Op überlegen ist.“
Auch der Zürcher Urologe Privatdozent Huber John ist eher skeptisch: Zum einen seien die Anschaffungskosten sehr hoch. Zum anderen stecke die Roboter-gestützte Op im Vergleich zur konventionellen retropubischen Prostatektomie noch in den Kinderschuhen (Urologe 2008, 47:291–298). Zurückhaltend sind offensichtlich auch noch die meisten deutschen Urologen: Nach einer aktuellen Umfrage unter 1300 deutschen Urologen bevorzugen die Kollegen für sich selbst die klassische retropubische Operation. Minimal-invasive Verfahren spielen nach Angaben der Autoren von der Universitätsklinik in Mainz „eine noch untergeordnete Rolle“ (Urologe 2009, 48:399–407).
Mit ein Grund dafür dürften die recht hohen Kosten des daVinci-Systems sein: 2,3 Millionen Euro hat zum Beispiel das Wormser Klinikum vor kurzem für die Anschaffung ausgegeben.

Link zur Quelle: http://jama.ama-assn.org

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