Schweinegrippe-Impfung – „a never ending story“

A sow and her piglet.
Image via Wikipedia

Erneut nimmt das „arznei-telegramm“ die offiziellen Empfehlungen zur Schweinegrippe-Impfung sowie die Impfstoff-Bestellungen unter Beschuss.
Auch die Bestellung des wirkstoff-freien Impfstoffes Celvapan für die Bundeswehr sei eine falsche Entscheidung, heißt es heute im „blitz-telegramm“. Das „Prinzip der Ganzvirus-Impfstoffe“ sei „schon vor Jahrzehnten wegen einer hohen Rate an unerwünschten Wirkungen durch die besser verträglichen Spaltimpfstoffe“ ersetzt worden. Auch dieser Impfstoff, der Anfang Oktober von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA)zugelassen wurde, sei keine Alternative für Schwangere. Sogar die „STIKO“ verweise darauf, dass es mit Celvapan keine Erfahrungen bei Schwangeren gebe.
Laut „arznei-telegramm“ sind derzeit allein „konventionell auf Hühnereiern angezüchtete Spaltimpfstoffe mit 15 μg Antigen sinnvoll, „also weder Impfstoffe, die unzureichend erprobte Wirkverstärker“  enthalten „noch Wirkverstärker-freie Ganzvirus-Impfstoffe“.

Offensichtlich widersprüchliche Empfehlungen

Die derzeitige Situation sei absurd, so das „at“. So fehlten, wie selbst die STIKO einräume,  für viele, die vorrangig geimpft werden sollen, Erfahrungen mit Pandemrix, so insbesondere für Kinder bis 3 Jahren, Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren und schwangere Frauen.
So heißt es im „Epidemiologischen Bulletin“: „Da aus ethischen Gründen klinische Impfstoffstudien mit schwangeren Frauen problematisch sind, werden hierfür zunächst keine Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der adjuvantierten Impfstoffe gegen die Neue Influenza A (H1N1) vorliegen. Aus den USA, wo Schwangeren ab dem zweiten Trimenon die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen wird, liegen umfangreiche Sicherheitsdaten aus der breiten Anwendung eines nicht-adjuvantierten saisonalen Influenza-Spaltimpfstoffs bei Schwangeren vor. Der nun in den USA zum Einsatz kommende pandemische Impfstoff gegen Influenza A (H1N1) wird ebenfalls ein nicht-adjuvantierter Spaltimpfstoff sein, bei dem im Vergleich zum saisonalen Influenzaimpfstoff allein eine Stammanpassung erfolgt ist, so dass auf Basis der bisher bekannten Anwendungssicherheit zu den saisonalen Influenzaimpfstoffen eine gute Verträglichkeit und angemessene Sicherheit des pandemischen, nicht-adjuvan- tierten Influenzaimpfstoffes angenommen werden kann. Erfahrungen mit saisonalen Impfstoffen lassen darauf schließen, dass die Immunantworten immunkompetenter Schwangerer ähnlich sind wie diejenigen nicht schwangerer immunkompetenter Frauen. Aufgrund oben stehender Ausführungen empfiehlt die STIKO, dass bis zum Vorliegen weiterer Daten Schwangere  ab dem zweiten Trimenon mit einem nicht-adjuvantierten  Spaltimpfstoff geimpft werden sollten.“
Wie das realisiert werden solle, sage die STIKO jedoch nicht, kritisiert das „at“. Außerdem widersprächen sich STIKO einerseits und Robert-Koch-Institut (RKI) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) andererseits. So könne laut RKI und PEI  „im Rahmen einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Analyse die Anwendung von einer Erwachsenendosis Pandemrix auch bei Schwangeren sinnvoll sein“. Für diese Empfehlung jedoch gebe es, kritisiert das „at“, keine Datengrundlage.

Celvapan noch weniger erprobt

Auch für die Behauptung, etwa der STIKO, der GSK-Impfstoff sei sicher und verträglich, fehle der Beleg. Belege gebe es dagegen für eine schlechte Verträglichkeit und Sicherheit. Noch weniger erprobt als Pandemrix sei der von der Bundeswehr bestellte Baxter-Impfstoff Celvapan. Die EMEA selbst schreibt übrigens in ihrem Beurteilungsbericht, dass die verfügbaren Daten zu dem Baxter-Impfstoff begrenzt seien, man aber insgesamt trotzdem zu einem positiven Urteil zum Nutzen-Risiko-Verhältnis gekommen sei. Die Zulassung für den Impfstoff sei, erklärt die Behörde unter „außergewöhnlichen Umständen“ erteilt worden. Dies bedeute, dass es bislang nicht möglich gewesen sei, vollständige Informationen über den Pandemie-Impfstoff zu erhalten. Das Unternehmen Baxter werde aber weitere Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, insbesondere bei Schwangeren, Kindern, alten Menschen und Immungeschwächten, sammeln und der Behörde zur Verfügung stellen. Mehrere Studien hierzu sind auch schon begonnen worden, aber noch nicht abgeschlossen.

Umsatz wichtiger als Fortschritt?

Eine interessante Frage zum Thema Grippe-Impfstoffe hat übrigens die „Neue Zürcher Zeitung“ diese Woche gestellt: „Warum gibt es eigentlich keine Impfung, die dauerhaft vor allen Grippeviren schützt?“ Die Antwort des Präsident des europäischen Immunologen-Dachverbands, Stefan Kaufmann vom Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, war bemerkenswert: Seiner Ansicht nach ist es, so die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ),  weniger die hohe Wandelbarkeit des Virus, die einen universellen Impfstoff verhindert. Vielmehr seien die Umsatzziele der Pharmaunternehmen für den mangelhaften Fortschritt verantwortlich. Bei ausreichendem Interesse – und das heißt: ausreichenden finanziellen Anreizen – wäre die Entwicklung eines breit wirksamen Grippeimpfstoffes, zumindest bis zur Erprobung an Menschen, in den letzten fünf Jahren möglich gewesen, behauptet der Wissenschafter. „Eine universelle Grippeimpfung – das ist ein sehr hoch gesetztes Forschungsziel“, sagte in dem selben Beitrag von Sabine Sütterlin der Münchner Virologe Gerd Sutter. „Wir wären schon froh, wenn wir mehrere Varianten auf einmal abdecken könnten. Bis solche Produkte marktreif sind, dauert es noch Jahre.“
Wie die NZZ weiter berichtet, haben nach Angaben des britischen Wissenschaftsmagazins „New Scientist“ bisher „mindestens zehn Biotechfirmen mit Teilen eines wenig veränderlichen Hüllenproteins von Influenzaviren experimentiert. Aus unterschiedlichen Gründen gaben jedoch alle auf: Entweder waren die Nebenwirkungen der Impfung zu groß oder ein Eigentümerwechsel führte zu einer Neuausrichtung der Forschung. In anderen Fällen stoppten andere, dringlichere Projekte die Impfstoffentwicklung – so wie in diesem Jahr die weltweite Bekämpfung der Schweinegrippe-Pandemie“.

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