Paracetamol kann Impferfolg mindern

Paracetamol
Paracetamol. Wikipedia

Paracetamol, prophylaktisch gegeben, verringert Fieberschübe nach Impfungen, aber auch die Immunreaktion auf die Impfstoffe. Die Fieber-Prophylaxe mit Paracetamol sollte daher nicht mehr empfohlen werden, meinen Professor Roman Prymula und seine Kollegen aus Hradec Kralove (Königsgrätz), die hierzu eine Studie im „Lancet“ veröffentlicht haben.

Die Autoren unternahmen bei Kindern zwei randomisierte kontrollierte Versuchsreihen, eine zum Zeitpunkt der ersten Impfungen, die andere zum Zeitpunkt der Auffrischungsimpfungen. Es handelte sich dabei um die Routine-Impfungen gegen Pneumokokkenerkrankungen, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Hepatitis B, Polio und Rotaviren. Kinder aus zehn Kliniken erhielten entweder alle 6 bis 8 Stunden innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Impfung dreimal vorbeugend Paracetamol  (226 Kinder) oder kein Paracetamol (233).

Nach den Erstimpfungen hatte mit 42 versus 66 Prozent ein kleinerer Anteil von Kindern der Paracetamol-Gruppe Temperaturen von 38° Celsius oder höher hatte  Ähnliche Ergebnisse wurden nach den Auffrischungsimpfungen beobachtet (36 Prozent verglichen mit 58 Prozent). Die geometrischen Mittelwerte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) lagen in der Verum-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Dies galt für die Antikörper gegen die im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Serotypen, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie und Tetanus-Toxoide, wie auch für einen der Keuchhusten-Antikörper. Auch nach den Auffrischungsimpfungen fanden sich die niedrigeren Antikörper-GMCs  in der Paracetamol-Gruppe.

Die Autoren folgern: „Die klinische Bedeutung dieser immunologischen Erkenntnisse ist nicht bekannt und muss weiter untersucht werden. Die prophylaktische Gabe von fiebersenkenden Medikamenten zum Zeitpunkt der Impfung sollte dessen ungeachtet ohne sorgfältige Abwägung des zu erwartenden Nutzens und Risikos nicht länger routinemäßig empfohlen werden.“

Für Dr. Robert T. Chen von den „Centers for Disease Control and Prevention“ in Atlanta und seine Kollegen ist die wichtigste Frage im Zusammenhang mit dieser Studie,  „in welchem Ausmaß Paracetamol den Impfschutz in der allgemeinen Bevölkerung verringern könnte“. Dies habe Konsequenzen, „insbesondere für Haemophilus influenzae und Pneumokokken, da diesen gegenüber höhere und nachhaltigere Antikörperkonzentrationen notwendig sind, um den Status eines Trägers zu unterbrechen und Übertragungen in der Bevölkerung zu verringern, wie auch Konsequenzen gegenüber Keuchhusten, der bakteriellen Infektionskrankheit, die über eine Impfung vermieden werden kann und am wenigsten kontrolliert wird.“

Link zur Quelle: R Prymulaet. al.: Effect of prophylactic paracetamol administration at time of vaccination on febrile reactions and antibody responses in children: two open-label, randomised controlled trials. Lancet 2009; 374: 1339

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