Lautes Trommeln reicht nicht

Fusion 09: Gocoo auf der Hangarbühne
Image by stinker via Flickr

600 Millionen Euro mindestens kostet angeblich die Impfaktion gegen die Schweinegrippe. Doch nach einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des ARD-Morgenmagazins will kaum ein Bundesbürger sich impfen lassen. 39 Prozent würden sich „auf keinen Fall“ impfen lassen und 27 Prozent „wahrscheinlich nicht“, meldete letzte Woche die deutsche Presseagentur. Und jetzt nehme auch noch unter Ärzten, Pharmaexperten und Politikern der Widerstand gegen die Kampagne zu, meldet der „Spiegel“.
Wie es aussieht, wird die Aktion ein gigantischer und zudem teurer Flop, so dass wahrscheinlich bald eine hitzige Diskussion über die Ursachen, Verantwortlichen und natürlich Schuldigen geführt werden wird. Wen die Befürworter der Kampagne als Schuldigen ausmachen werden, ist schon jetzt relativ klar: Schuld sind natürlich die berufsmäßigen Impfgegner und Kassandras, auch jene Medien, die sich mehr kritisch geben als wirklich kritisch zu sein, und selbstverständlich ein paar Meinungsbildner aus Medizin und Wissenschaft, die sich umso mehr Gehör verschaffen, je weniger Ahnung sie haben. Klar habe es auch ein paar Kommunikationspannen gegeben, wird man eingestehen.  Etwa die Causa „Extrawurst für Merkel und Co“. Aber verantwortlich machen wird man im Großen und Ganzen jene, die sich in angeblich unverantwortlicher oder gar „grotesker“ Weise kritisch oder zweifelnd zu Wort gemeldet haben.
Leider ist zu befürchten, dass die Debatten so oberflächlich sein werden. Dabei wäre es sehr viel sinnvoller, statt an der Oberfläche zu schaben, etwas in die Tiefe zu gehen und zu fragen, ob es nicht an der mangelnden Glaubwürdigkeit jener liegen könnte, die sich für die Impfaktion so stark  gemacht haben. Dass die pharmazeutische Industrie nicht besonders glaubwürdig ist, muss nicht extra diskutiert werden. Glaubwürdigkeit kann man eben schnell verlieren, aber nur sehr langsam wieder gewinnen. Teure Anzeigenkampagnen und ein hehrer Verhaltenskodex reichen da nicht. An Glaubwürdigkeit mangelt es aber auch anderen Protagonisten der Impfaktion – angefangen beim zuständigen Ministerium bis hin zu Institutionen wie dem RKI und dem PEI sowie den medizinischen Fachmedien, die seit Monaten auffallend laut trommeln.
Warum es den Befürwortern der Impfaktion zunehmend an Glaubwürdigkeit mangelt, ist keine allzu schwer zu beantwortende Frage. Zum einen ist der deutsche Untertan offensichtlich nicht mehr ganz so obrigkeitshörig; auch ein Professoren-Titel hat wohl keine besonders große Überzeugungskraft mehr, seit sich herumgesprochen hat, dass auch Professoren nur Menschen sind.  Zum anderen ist eine zu große Nähe zur Pharmaindustrie der Glaubwürdigkeit eben nicht gerade förderlich – vor allem dann nicht, wenn man sich, bewusst oder unbewusst, zu sehr vor den Karren spannen lässt. Allein der Verdacht ist da schon schädlich. Da helfen dann auch gute Argumente nicht mehr viel. Darüber kann man jammern und klagen, aber sinnvoller wäre es, zu fragen, ob man das Misstrauen nicht selbst fördert bzw. gefördert hat – etwa durch ein Verhalten nach dem Motto „wes brod ich ess, des lied ich sing“.
Statt einer Impfkampagne wäre daher eher eine Glaubwürdigkeitskampagne angesagt. Aber nur eine glaubwürdige!

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Eine Antwort zu “Lautes Trommeln reicht nicht

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