Schwere Hirnerkrankung nach Rituximab-Therapie

Wenn ein Patient, der mit Rituximab behandelt wird oder wurde, neurologische Symptome entwickelt, sollte differenzialdiagnostisch an eine Progressive Multifokale Leukenzephalopathie (PML) gedacht werden, rät die US-Gesundheitsbehörde. Aktueller Anlass für die Warnung ist der Fall einer 73-jährigen Rheuma-Patientin, die unter Therapie mit dem Antikörper eine PML entwickelt hat. Im Gegensatz zu zwei anderen Patienten, die unter Rituximab eine PML bekommen haben, ist diese Patientin vor der Therapie mit Rituximab noch nicht mit einem TNFα-Hemmer oder immunsuppressiv behandelt worden. Die Diagnose PML wurde bei der Frau gestellt, nachdem sie 4 bis 6 Monate nach Beginn der Therapie mit Rituximab Dysästhesien und eine Ataxie entwickelt hatte.

Rituximab ist ein chimärer monoklonaler CD20-Antikörper, der außer zur Behandlung von Krebskranken zunehmend bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) oder der Lupusnephritis eingesetzt wird. Bei der rheumatoiden Arthritis wird Rituximab derzeit nach Versagen von Basismedikamenten und einem TNF-α-Hemmer angewandt. Hier kann mit zwei Infusionen innerhalb von 14 Tagen eine signifikante Verbesserung der Symptome über einen Zeitraum von bis zu über einem Jahr erreicht werden.
Entwickelt wurde der Antikörper von IDEC Pharmaceuticals. In Kanada und Europa wird Rituximab (MabThera®) von Roche vertrieben, in den USA als Rituxan™ von Biogen Idec und Genentech, das im März dieses Jahres von Roche gekauft wurde.

Die PML ist eine seltene, progressive demyelinisierende Erkrankung, die entweder rasch zum Tode führt oder zu einer schweren Behinderung. Verursacht wird sie, indem das so genannte JC-Virus aktiviert wird. Das zu den Papova-Viren gehörende Virus ist bei 40 bis 80% aller gesunden Erwachsenen nachweisbar. Typischerweise befällt die PML nur Patienten mit gestörter zellulärer Immunität (Lymphome, Leukämien, Aids, Immunsuppression). Wie es zu der Aktivierung des Virus kommt, ist bislang unklar. Klinische Symptome der PML sind kortikale Blindheit, Aphasie, Verwirrtheit, Demenz, Paresen, Ataxie und andere fokale neurologische Störungen. Behandelt wird symptomatisch.

Bekannt geworden ist die PML vor allem im Zusammenhang mit einer Natalizumab-Therapie von MS-Kranken. Wie vor kurzem gemeldet, erhält die US-Gesundheitsbehörde nach eigenen Angaben immer mehr Meldungen über das Auftreten der Progressiven Multifokalen Leukenzephalopathie  bei MS-Patienten, die mit dem monoklonalen Antikörper (Handelsname Tysabri®) von Biogen Idec Inc. und Elan PLC behandelt wurden. Wie am Wochenende bekannt wurde, untersucht derzeit die EMEA 23 Fälle einer PML im Zusammenhang mit Natalizumab.

 

Siehe auch „Hippokranet“

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2 Antworten zu “Schwere Hirnerkrankung nach Rituximab-Therapie

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