Kritik an Vitamin-D-Metaanalyse

Vitamin D in einer täglichen Dosierung von 700 bis 1000 IU reduziere das Sturzrisiko alter Menschen um fast 20 Prozent, berichteten vor kurzem Schweizer Wissenschaftler im „British Medical Journal“. Die Aussage gründete auf den Ergebnissen einer Metaanalyse von acht kontrollierten Studien mit knapp 2500 Patienten. In zwei Briefen an das „BMJ“ ist nun erhebliche Kritik an der Metaanalyse von Dr. Heike A. Bischoff-Ferrari laut geworden.

Metaanalysen wie die von Bischoff-Ferrari, Leiterin des Zentrums „Alter und Mobilität“ am Universitätsspital Zürich, seien wenig wert, so lange sie auf Daten von unzureichenden Studien beruhten, kritisieren Professor Mark J. Bolland und seine Kollegen der Universität von Auckland. Wenigstens 9 Metaanalysen, die Schweizer Analyse eingeschlossen, hätten sich bislang mit dem Nutzen von Vitamin D zur Sturzprävention befasst. Vier hätten einen Nutzen ergeben, fünf dagegen keinen oder nur bei bestimmten Subgruppen, berichten die neuseeländischen Kollegen. In der Schweizer Metaanalyse sei außerdem eine Studie mit negativem Ergebnis nicht berücksichtigt worden – und zwar mit der Begründung, die Patienten seien in einem sehr instabilen Zustand gewesen. Dies war nach Angaben von Bolland aber kein Ausschlusskriterium. Leider gebe es zu dem Thema viel zu wenige kontrollierte Studien, dafür um so mehr Metaanalysen. Zum Thema Vitamin D und Sturzprävention lägen zum Beispiel 17 kontrollierte Studien und neun Metaanalysen, zu Vitamin D und Frakturen 22 Studien und 14 Metaanalysen. Sie seien besorgt darüber, so Bolland und seine Kollegen,  dass in manchen Bereichen der Medizin mehr Nachdruck auf die Analyse und Reanalyse von begrenzten Studiendaten gelegt werde als auf gut gemachte und aussagekräftige Studien. Zum Vitamin D sollten daher erst dann wieder Metaanalysen durchgeführt werden, wenn es gute kontrollierte Studien gibt.

In der Schweizer Metaanalyse würde erstaunlicherweise nur der Nutzen von Vitamin D berücksichtigt, mögliche Nebenwirkungen und Toxizität dagegen blieben unerwähnt, kritisieren in einem anderen Brief an das „BMJ“  Gabriele Meyer, Professorin an der Universität Witten-Herdecke, und Dr. Sascha Köpke von der Universität Hamburg. Diese Metaanalyse sei ein weiterer Beleg dafür, dass unerwünschte Therapiewirkungen systematisch zu wenig berichtet würden. Ohne Angaben jedoch des möglichen Schadens durch Vitamin D sei eine objektive Nutzen-Risiko-Abwägung nicht möglich. Die sei aber gerade in der Prävention von großer Bedeutung, da es in der Regel um langfristige Maßnahmen gehe.

PS. : Frau Bischoff-Ferrari hat von 2000 bis 2005 an der Harvard-Universität in Boston eine Zusatzausbildung in Statistik, Epidemiologie und Ernährung gemacht.

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