Sicherheit der Raucherentwöhnung mit Champix weiterhin unklar

Unlit filtered cigarettes
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Rauchen ist gefährlich. Aber wie riskant ist eigentlich Champix®? Nach einer britischen Studie mit über 80 000 Patienten gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass das Präparat – Substanz ist Vareniclin – zur Nikotinentwöhnung gefährlich sei. Die Datenlage sei jedoch zu unsicher,, heißt es in einem Kommentar zu der Studie im „British Medical Journal“. Außerdem gebe es eindeutig sichere Alternativen.

Vareniclin ist ein partieller Agonist eines Nikotin-Rezeptors und stimuliert zudem die Dopamin-Ausschüttung. Aufgrund der psychotropen Wirkungen ist nicht ausgeschlossen, dass Vareniclin Stimmung und auch suizidales Verhalten beeinflusst. Da weltweit immer wieder Suizide im Zusammenhang mit Champix (und auch Zyban) gemeldet wurden, haben mehrere Arzneimittelbehörden, etwa die FDA, Warnhinweise erteilt.

In einer Kohortenstudie mit 80 660 Männern und Frauen haben nun Professor David Gunnell und seine Kollegen untersucht, ob Champix mit einem erhöhten Risiko für Suizide und suizidalem Verhalten einhergeht. Verglichen wurde diese Therapie mit Bupropion (Zyban®) und einer Nikotin-Ersatztherapie. Die Dauer der Verlaufsbeobachtung betrug rund anderthalb Jahre. 63 265 Patienten erhielten eine Nikotin-Ersatztherapie, 6422 Bupropion und 10 973 Vereniclin.
Nach Angaben der Autoren von der Universität von Bristol und der britischen Arzneimittelbehörde gab es keine sicheren, statistisch signifikante Belege dafür, dass Vareniclin das Risiko für Suizide und nicht-tödliche Suizidversuche erhöht. Patienten mit dem Nikotin-Agonisten hatten auch nicht häufiger Depressionen oder Selbstmordgedanken.
Die Aussagekraft der Studie sei jedoch – methodisch bedingt – etwas limitiert, berichten die Autoren selbst und auch der Kommentator Professor Jill E. Lavigne aus Rochester in den USA. Mit der Verschreibung von Champix und auch Zyban sollte daher vorsichtig umgegangen werden, zumal es eindeutig sichere Alternativen gebe, empfiehlt Lavigne. Aufgrund der unsicheren Datenlage untersuche derzeit das „ Department of Veterans Affairs“  in einer retrospektiven Studie die Sicherheit von Raucher-Entwöhnungstherapien.

In Deutschland könnten übrigens die Kosten für Präparate zur Nikotinentwöhnung für bestimmte Patienten künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Laut einer Meldung von „Apotheke Adhoc“  empfiehlt der Gemeinsame Bundesausschuss, „entsprechende Arzneimittel für Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die an Disease Management Programmen teilnehmen, in den Leistungskatalog der Kassen aufzunehmen“. Das Bundesgesundheitsministerium müsse den Vorschlag jetzt prüfen. Nicht nur Nikotinersatzpräparate, die OTC-Status haben, könnten dem GBA zufolge verwendet werden, heißt es in der Meldung weiter. Auch die als Lifestyle-Präparate ausgeschlossenen verschreibungspflichtigen Präparate Zyban und Champix sollen demnächst zu Lasten der Kassen verschrieben werden können. Es solle allerdings nur eine einmalige Verordnung möglich sein.

Link: BMJ

Siehe auch „Hippokranet“

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