Nutzloser Nierenstent

Ähnlich wie bei Koronarstenosen bringt die Angioplastie bei Nierenarterienstenosen im Vergleich zur Arzneimitteltherapie keinen Gewinn. Sie geht sogar mit vermehrten Risiken einher.

Ergeben hat dies die jetzt publizierte Studie ASTRAL∗, an der 806 Patienten mit atherosklerotischer Nierenarterien-Erkrankung teilgenommen haben. Alle Patienten wurden medikamentöse behandelt (Statine, Antihypertensiva, Thrombozytenaggregations-Hemmer). Bei 403 Patienten der Verum-Gruppe wurde zusätzlich eine Angioplasie, überwiegend eine Stent-Implantation, vorgenommen. Die Dauer der Verlaufsbeobachtung betrug 5 Jahre.
Signifikante Unterschiede gab es weder beim primären Endpunkt, dem Surrogatendpunkt Nierenfunktion, noch bei den sekundären Endpunkten systolischer Blutdruck, renale und  kardiovaskuläre Komplikationsrate sowie Sterberate. Bei 23 Patienten der Katheter-Gruppe kam es zu ernsthaften, durch den Eingriff bedingten Komplikationen: 2 Patienten starben, bei drei war eine Extremitäten-Amputation erforderlich. Ein ähnlich enttäuschendes Ergebnis hatte vor zwei Jahren die COURAGE-Studie bei KHK-Patienten ergeben: Auch in dieser Studie konnte für die invasive Therapie kein zusätzlicher Nutzen nachgewiesen werden.
Da Patienten mit sehr schwerer Nierenarterienstenose von ASTRAL ausgeschlossen wurden, sei die Aussagekraft allerdings etwas eingeschränkt, schreiben Dr. Keith Wheatley (Universität von Birmingham) und seine Mitautoren im „New England Journal of Medicine“.

Dr. William Boden, Studienleiter der COURAGE-Studie, vermutet, dass Kritiker von ASTRAL argumentieren werden, die Studie sei zu klein gewesen, um signifikante Unterschiede aufdecken zu können. Außerdem, so Boden gegenüber „heartwire“, werden sie einwenden, dass in ASTRAL gerade jene Patienten keinen Stent erhielten, die am ehesten davon profitiert hätten. Im Gegensatz zu vorherigen Studien seien in ASTRAL nur Patienten aufgenommen worden, bei denen die behandelnden Ärzte nicht an den Nutzen der Stent-Therapie geglaubt hätten. Ausgerechnet jene Patienten mit schweren Stenosen, bei denen ein Stent eindeutig indiziert sei, seien ausgeschlossen worden, kommentierte auch der US-Kardiologe Christopher White gegenüber Larry Husten von „cardiobrief“.
Für die Schweizer Kardiologen Franz und Adrian Messerli ist ASTRAL allerdings ein weiterer Beleg dafür, dass der Nutzen der Medikation und die Risiken der Stent-Implantation unterschätzt werden, der Nutzen der invasiven Therapie dagegen übertrieben wird. Problematisch an ASTRAL sei allerdings – wie an anderen ähnlichen Studien – die Auswahl der Patienten aufgrund angiografischer Befunde und deren Interpretation, erklärten die beiden Kardiologen gegenüber „cardiobrief“.

Links:

NEJM

cardiobrief

heartwire

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