Peter Sawicki: Ein Nachruf vorab

Wenn Peter Sawicki seinen Job als IGWiG-Chef tatsächlich verlieren sollte, werden das viele begrüßen. Denn mit seinen überwiegend negativen Gutachten, die nach Meinung vieler Kritiker nicht immer sachlich motiviert waren und meist mehr am Wohle der Kassen als am Wohle der Patienten ausgerichtet, hat sich der Diabetologe nicht nur in der Arzneimittelindustrie viele Gegner geschaffen. Zudem hat sich immer wieder das unangenehme Gefühl aufgedrängt, dass hier jemand als eine Art Missionar und zugleich moderner Robin Hood auftreten will, der den Bösen (den pharmazeutischen Unternehmen) nimmt und den Guten (den Patienten) gibt. Man muss kein Zyniker sein, um Herrn Sawicki so viel Gutmenschentum nicht abzunehmen. Dass ihm dies manche ach so kritischen Medienvertreter dennoch abgenommen haben, ist wohl überwiegend seinem Charme und der überzeugenden Einfachheit seiner Argumente zuzuschreiben. Denn wer behauptet, Sawicki habe mit sachlichen Argumenten, wissenschaftlich gesicherten Fakten und vor allem Transparenz gearbeitet, also mit der viel zitierten und oft unverstandenen „Evidence Based Medicine“, der macht sich oder anderen etwas vor. Die Gutachten des Instituts sind Musterbeispiele für Informationen, deren Korrektheit nur noch ganz wenige Experten beurteilen können. Wenn Experten geprüft haben, was das Institut so von sich geben hat, ist das Ergebnis oft niederschmetternd gewesen – siehe die Diskussion in diesem Sommer zum angeblichen Krebsrisiko durch Insulin glargin. Im Grunde hat Sawicki genau damit gearbeitet, was er vielen Kollegen immer wieder vorgeworfen hat: Nämlich mit emminenzbasierter Medizin und nicht mit evidenzbasierter. Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass den meisten Ärzten und Bürgern und auch Journalisten immer nur die Alternative blieb, Herrn Sawicki zu glauben oder eben nicht.
Bei aller Kritik an Sawicki und dem IQWiG sollte aber auch das Positive nicht unerwähnt bleiben. Der Kölner Diabetologe und seine Mitarbeiter haben ein Gegengewicht geschaffen zu so manchen platten Marketingbotschaften der pharmazeutischen Industrie und vor allem zu deren längjähriger Definitionshoheit darüber, was in der Arzneimitteltherapie gesichert sei und was nicht. Denn da hat doch so mancher so genannte Experte aus bekannten Gründen versagt (und tut es immer noch). Und die Presse leider meist auch – aus ebenso aus bekannten Gründen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Peter Sawicki: Ein Nachruf vorab

  1. Judith Kramer

    Das ist herzerfrischend auf den Punkt gebracht -Vielen Dank

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