Weiter Streit um Tamiflu

Es gebe keine klaren Belege dafür, dass Tamiflu Grippe-Komplikationen wie Pneumonien verhindere, meinen mehrere britische Experten im “British Medical Journal”, die sich die aktuellen Studiendaten angeschaut haben. Das Unternehmen Roche, Hersteller des Neuraminidasehemmers, widerspricht dieser Schlussfolgerung und verweist auf die seiner Ansicht nach gute Datenlage. Laut Fiona Godlee, Chefredakteurin des „BMJ” zeige die aktuelle Datenauswertung aber, dass noch viele Fragen zur Wirksamkeit von Tamiflu unbeantwortet seien. Weltweit hätten Regierungen Milliarden von Pfund für die Anschaffung eines Arzneimittels ausgegeben, dessen Nutzen für Experten unklar sei.

Die neue, jetzt online publizierte Analyse ist ein „update“ einer Cochrane-Studienauswertung von 2006.  Allerdings haben die Autoren der aktuellen Analyse 8 Studien der ersten Auswertung nicht berücksichtigt. Die Begründung: Die Daten konnten nicht verifiziert werden, sie seien nicht vollständig genug und auch nicht ausreichend transparent. Es sei daher unklar, ob Tamiflu wirklich Grippe-Komplikationen verhindert. Limitiert sei darüber hinaus die Datenlage zu schweren Nebenwirkungen unter Tamiflu. Sicher sei nur, dass es die Krankheitsdauer um etwa einen Tag reduziere und die Symptome etwas mildere. Der Neuraminidasehemmer sollte daher nicht routinemäßig bei saisonaler Grippe verwendet werden. Ob die Schlussfolgerungen zur saisonalen Influenza auch für die aktuelle pandemische Influenza zuträfen, könne derzeit nicht gesagt werden. Auf jeden Fall seien unabhängige Studien zu Tamiflu erforderlich.

Für Dr. David Reddy, Chef der Pandemie-Taskforce von Roche, ist die Ausklammerung von 8 Studien ein Fehler. Roche hätte allen Wissenschaftlern die kompletten Daten dieser Studien geliefert, wenn die Wissenschaftler schriftlich erklärt hätten, die Daten vertraulich zu behandeln.

Laut James Smith, Medizin-Chef bei Roche, habe das Unternehmen in den vergangenen Wochen stets alle vom BMJ und von Journalisten des TV-Nachrichtensenders „Channel 4 News“ gestellten Fragen zu Tamiflu beantwortet und alle dem Unternehmen selbst vorliegenden Daten geliefert. Diese Informationen ließen eigentlich keine Zweifel mehr zu an der Seriösität und Integrität der Daten und des Umgangs damit. Dass das von Dr. Tom Jefferson, einem bekannten Tamiflu-Kritiker, geleitete britische Team sich nicht selbst an Roche gewendet, sondern den Weg über Medien gewählt habe, werfe die Frage auf, ob es den britischen Experten wirklich um seriöse wissenschaftliche Klarheit ging.

Link: BMJ

Siehe auch „Hippokranet“

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