Geringe Letalität der Schweinegrippe: Britische Studie bestätigt US-Daten

Take me to the zombies
Image by Esparta via Flickr

Vielleicht kommt die zweite Welle der Schweinegrippe noch. Man kann ja nie wissen. Aber im Moment sieht es zunehmend so aus, als würden jene Recht behalten, die die Impfkampagne für maßlos übertrieben gehalten und zu mehr professioneller Gelassenheit sowie nüchterner Analyse geraten haben: Denn nachdem Anfang dieser Woche bereits Daten aus den USA gezeigt haben, dass die Letalität an Schweinegrippe womöglich geringer ist als an der saisonalen Influenza, bestätigen nun britische Daten diese ja erfreuliche Botschaft.
Nur 0,026 Prozent der Infektionen mit H1N1 verlaufen tödlich, berichten britische Wissenschaftler unter Leitung von Dr.  Liam J. Donaldson vom britischen Gesundheitsministerium im „British Medical Journal“. Ausgewertet wurden die Daten bis zum 8. 11. 2009. Am geringsten war in Großbritannien mit 0, 011 Prozent die Sterberate bei den vier bis 15-Jährigen, bei denen allerdings die Infektionsrate am höchsten war. Genau umgekehrt war es bei den über 65jährigen Menschen: Hier war die Infektionsrate niedriger, dafür aber die Letalität mit knapp einem Prozent deutlich höher. Das Alter der gestorbenen Patienten betrug im Mittel 39 Jahre, die meisten, aber nicht alle hatten eine schwere Grunderkrankung. Die Letalität der Schweinegrippe ist den britischen Daten zufolge nur etwa ein Hundertstel so groß wie die Letalität an der Spanischen Grippe Anfang des vergangenen Jahrhunderts. „Die erste Influenza-Pandemie des 21. Jahrhunderts ist deutlich weniger tödlich als zunächst befürchtet“,  so Donaldson. Ein Grund für die bessere Prognose der Patienten heute seien die Fortschritte in der medizinischen Versorgung.
Die Autoren der britischen Studie befürworten die weltweiten Impfkampagnen dennoch, insbesondere die Impfung von Risikogruppen wie chronisch Kranken und älteren Menschen sei sinnvoll.  Außerdem raten sie zur rechtzeitigen Therapie mit antiviralen Medikamenten. Die meisten gestorbenen H1N1-Patienten in Großbritannien hätten im Mittel erst fünf Tage nach Symptombeginn Neuraminidasehemmer erhalten.
In Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bislang 94 Menschen  im Zusammenhang mit einer 1N1-Infektion gestorben (8.12.), wobei die Letalität aufgrund der völlig unbekannten Zahl an Infektionen völlig unklar ist. Laut RKI gibt es knapp 200 000 gemeldete Infektionen mit H1N1. Die bisherige Letalität beträgt demnach höchstens 0,05 Prozent. Dies entspricht den Daten, die US-Forscher diese Woche veröffentlicht haben. Sie errechneten eine Letalität von maximal 0,048 Prozent. An der saisonalen Grippe sterben in Deutschland übrigens jährlich 10 000 bis 30 000 Menschen.
Laut „Spiegel online“  sieht auch das RKI noch keinen Grund zur Entwarnung: Die britischen Daten deckten sich zwar weitestgehend mit den Daten aus Deutschland. Allerdings sei es zu früh, um eine abschließende Bilanz zu ziehen, wird Gérard Krause, Leiter der Abteilung für Epidemiologie am RKI, zitiert.  Außerdem: Es sei auch noch nicht möglich, einen vernünftigen Vergleich der epidemiologischen Gesamtbelastung in England und der Situation in Deutschland  zu ziehen. Krause. „In England ist bereits die zweite Welle mit inländischer Ausbreitung seit einer Weile rückläufig, wir hingegen haben gerade den Scheitelpunkt einer ersten Welle mit einheimischer Übertragung erreicht.“ Wie sich die Krankheit weiterhin entwickeln werde, könne man noch nicht abschätzen.
Weltweit sind nach offiziellen Zahlen seit Juni dieses Jahres 10 074 Menschen im Zusammenhang mit einer H1N1-Infektion gestorben. An der saisonalen Influenza sterben allein in Europa jedes Jahr angeblich bis zu 40 000 Menschen.

Fazit: Ein sachlicher, unaufgeregter Umgang mit dem Thema Schweinegrippe wäre sicher sinnvoller gewesen – auch im Sinne der Impfung selbst – als gedankenloser Aktivismus und vor allem Panikmache – etwa mit dem Melden von angeblich bis zu 35 000 möglichen Schweinegrippe-Toten oder auch dem täglichen Auflisten der Todesfälle, was ja ein bisschen zu sehr an das dümmlich-stolze Addieren der Olympia-Medaillen erinnert.

Link: BMJ

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