Schweinegrippe: Behörden mangelt es an Glaubwürdigkeit

Als sich in Deutschland zeigte, dass es mit der Akzeptanz der Schweinegrippe-Impfung etwas haperte, wurden rasch ein paar angeblich Schuldige der Impfmisere an den Pranger gestellt: Die fanatischen Impfgegner sowieso, aber auch jene, die es gewagt hatten, nur ein paar kritische Fragen zu stellen und Zweifel am Sinn des Aktivismus zu äußern. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die Zweifel nicht so ganz unberechtigt waren. Und Deutschland wie auch die Niederlande etwa wollen ihren überschüssigen Impfstoff verhökern. Medizin&Meinung hat schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass die schlechte Akzeptanz der H1N1-Impfung möglicherweise auch an der mangelnden Glaubwürdigkeit einiger Impfbefürworter liegt. Der Pharmakologe Markus Müller, der sich mit der Situation in Österreich beschäftigt hat, kommt in der „Wiener Klinischen Wochenschrift“ zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Müller ist übrigens „Principal Investigator“ für die Zulassungs­studien der Baxter-Vakzine gegen H5N1 sowie H1N1.

Hier Müllers Schlussfolgerungen in Auszügen:

  • „Es besteht in breiten Teilen der Öffentlichkeit ein Unbehagen gegenüber der pharmazeutischen In­dustrie. Dieses Ressentiment ist nicht prinzipiell neu und wird – in differenzierter Form – auch von Fachleuten und dem Autor geteilt, die aktuelle Debatte ist jedoch ein Beispiel für die Heftigkeit des Ressentiments.
  • Die Öffentlichkeit hat offenbar abnehmendes Ver­trauen in Entscheidungen der Zulassungsbehörden zum Risiko-Nutzen-Verhältnis von Arzneimitteln. Diese Haltung ist möglicherweise durch eine Reihe von historischen Problemfällen, wie z.B. die Dis­kussion zu Coxiben bedingt. Die derzeitige Debatte ist ein Beispiel für Versagen von öffentlicher Risiko­kommunikation. Aufgrund der Signalwirkung öf­fentlicher Aussagen steht derzeit mehr als nur die Frage „Impfen oder Nicht-Impfen“ auf dem Spiel. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit von Ge­sundheitsbehörden.
  • Die Themen „Compliance“ und „Efficacy-Effective­ness-Gaps“ werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Aufgrund eines abnehmenden öffentlichen Vertrauens wird es möglicherweise zuneh­mend schwieriger werden, wichtige und begründete medizinische Interventionen an den Patienten zu bringen.“

Hier in Auszügen der Beitrag in „Medizin&Meinung“:

„.…Warum es den Befürwortern der Impfaktion zunehmend an Glaubwürdigkeit mangelt, ist keine allzu schwer zu beantwortende Frage. Zum einen ist der deutsche Untertan offensichtlich nicht mehr ganz so obrigkeitshörig; auch ein Professoren-Titel hat wohl keine besonders große Überzeugungskraft mehr, seit sich herumgesprochen hat, dass auch Professoren nur Menschen sind.  Zum anderen ist eine zu große Nähe zur Pharmaindustrie der Glaubwürdigkeit eben nicht gerade förderlich – vor allem dann nicht, wenn man sich, bewusst oder unbewusst, zu sehr vor den Karren spannen lässt. Allein der Verdacht ist da schon schädlich. Da helfen dann auch gute Argumente nicht mehr viel. Darüber kann man jammern und klagen, aber sinnvoller wäre es, zu fragen, ob man das Misstrauen nicht selbst fördert bzw. gefördert hat – etwa durch ein Verhalten nach dem Motto „wes brod ich ess, des lied ich sing“.
Statt einer Impfkampagne wäre daher eher eine Glaubwürdigkeitskampagne angesagt. Aber nur eine glaubwürdige!“

Link: Wiener Klinische Wochenschrift

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