Schweinegrippe: WHO und RKI bleiben eisern, Magazin will klagen

3D model of an influenza virus.
Image via Wikipedia

Weltweit geht die Schweinegrippe in vielen Ländern zurück, Studien in Großbritannien und den USA haben eine unerwartet niedrige Letalität festgestellt. Länder wie die Niederlande und Deutschland wollen ihren Impfstoff verkaufen. Der Europarat soll sich im kommenden Monat mit dem angeblichen Einfluss der Pharmaindustrie auf Wissenschaftler und staatliche Behörden bei den Kampagnen gegen Vogel- und Schweinegrippe befassen. Die Weltgesundheitsorganisation jedoch warnt heute erneut, dass es noch zu früh sei, die so genannte Schweinegrippe-Pandemie für beendet zu erklären.
Die H1N1-Aktivität sei in einigen Ländern noch immer recht hoch, auch in Europa, etwa in der Schweiz und in Tschechien, sagte laut „Washington Post“ WHO-Berater Professor Keiji Fukuda. Das Virus bereite sich womöglich in der nördlichen Hemisphäre weiterhin aus, eine zweite Welle im Spätwinter oder Frühjahr sei durchaus möglich. Auch die bislang mit etwa 10 000 Todesfällen geringe Letalität (bei allerdings unbekannter Infektionsrate) sei kein Grund, die Pandemie schon jetzt als eine der mildesten Grippewellen überhaupt zu bezeichnen, sagte Fukuda. Die WHO arbeite daher weiter an Plänen, rund 180 Millionen Impfdosen, bereitgestellt von sechs Firmen und 12 Ländern, an insgesamt 95 arme Länder wie Afghanistan zu verteilen.
Auch das Robert-Koch-Institut sieht noch keinen hinreichenden Grund zur Entwarnung. Trotz abnehmender H1N1-Aktivität sollte das Virus nicht unterschätzt werden, sagt der Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Vor allem Schwangere sollten sich schützen lassen, riet Hacker. In Deutschland habe es bislang 119 Todesfälle nach H1N1-Infektionen gegeben, knapp 204 000 Infektionen seien gemeldet worden. Von einem Ende der Pandemie könne man noch nicht sprechen. Es sei durchaus möglich, dass „wir im späten Winter oder im Frühjahr eine weitere Welle bekommen“.  Zum Vergleich: Die jährlich auftretende saisonale Grippe verursacht in Deutschland laut RKI jedes Jahr ein bis fünf Millionen zusätzliche Arztbesuche. Etwa 5000 bis 20 000 Patienten müssen in eine Klinik, 8000 bis 11 000 sterben.
Inzwischen erwägt das 2001 gegründete Lifescience-online-Magazin „LifeGen.de“ eine „konzertierte Strafanzeige gegen die auf Bundes- und Länderebene verantwortlichen Stellen im Umgang mit der Seuche“. Der Grund: „Obwohl klinische Daten zu den Risiken und Nebenwirkungen der verabreichten Vakzine bei Kindern fehlten, haben Behörden und Politik die Zulassung erteilt und die Impfstoffe empfohlen. Auch Schwangeren seien die Vakzine nahe gelegt worden, obwohl es ernstzunehmende Hinweise und Studien gibt, die auf eine Gefährdung der Ungeborenen deuten.“ Nach eigenen Angaben wird das Magazin seine Argumentation „im Wesentlichen auf die Inhalte des Sachbuches „Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake“ aufbauen, das von den Journalisten Marita Vollborn und Vlad Georgescu herausgegeben und von LIFEGEN. LTD. produziert wurde“. Die jetzt angekündigte Strafanzeige wäre nicht die erste des in Bukarest geborenen Bestsellerautors und Bundesbürgers Georgescu. Erst im September hatte er Strafanzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung gegen den Ministerpräsidenten des Landes Nordhrein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, erstattet.
Das Online-Magazin ist eine Publikation des in London sitzenden Unternehmens LIFEGEN.LTD. Geschäftsführer ist übrigens der oben genannte Buchautor und Chemiker Georgescu, der zusammen mit Marita Vollborn auch die Redaktion des Magazins leitet. Die beiden haben zusammen unter anderen Bücher über die Geschäfte der Lebensmittelindustrie (die Jogurth-Lüge) und die Geschäfte im Gesundheitsmarkt (Die Gesundheitsmafia – Wie wir als Patienten betrogen werden) geschrieben. Mitglied der Redaktion von LifeGen.de ist auch der freie Journalist und Ex-Chemiker Dr. Rolf Froböse, der vor allem wegen seiner extremen Eigen-PR sehr umstritten ist.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Schweinegrippe: WHO und RKI bleiben eisern, Magazin will klagen

  1. Interessant, dass Du diese Geschichte aufgreifst. Ich hatte Vlad (für den ich früher gelegentlich geschrieben habe) ebenfalls meine Enttäuschung mitgeteilt, dass er jetzt auch noch auf den Zug mit der angeblichen Schweinegrippe-Verschwörung aufspringt.
    Hauptsache Umsatz, scheint da die Devise zu sein.

    • tommasinifire

      Hallo Michael,

      ich hoffe, es wird deutlich, was ich davon halte. Ich habe auch ganz bewusst, Deinen Namen als Mitarbeiter nicht genannt (Du stehst im Impressum). Diese Verschwrungstheorien gibt es halt immer.

      Ganz unabhngig davon, ist bei der Impfkampagne einiges nicht gerade optimal gelaufen. Was mich nervt, ist dass es in den Medien meist nur ein simples Dafr oder Dagegen gibt. Geradezu lcherlich finde ich, dass meine ehemaligen Kollegen bei der Z nicht ein Wrtchen der Kritiker bercksichtigen oder auch nur das Thema Tamiflu-Resistenzen thematisieren. Das ist einfach lcherlich.

      Auf jeden Fall ruhige Tage!

      Thomas

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