Wenig Evidenz für Skoliose-Orthesen

Ob Rumpforthesen Jugendlichen mit idiopathischer Skoliose etwas nützen, ist weiterhin unklar.  Die wissenschaftlichen Daten, die für eine Anwendung sprächen, seien recht dürftig, berichten Dr. Stefano Negrini („Italian Scientific Spine Institute“ in Mailand) und seine Kollegen in der aktuellen Cochran-Library-Ausgabe, einer Publikation der internationalen Cochrane Collaboration (http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD006850/frame.html).

Negrini und seine Kollegen haben für ihre Analyse nach Studien gesucht, in denen unterschiedliche Therapieverfahren bei Skoliose verglichen wurden. Unter 1285 Publikationen fanden sie nur zwei ihrer Ansicht nach brauchbare Studien.

In der einen Studie von 1995 mit 286 Mädchen kam heraus, dass Orthesen nicht nur wirksamer waren als der Verzicht auf eine Therapie, sondern auch besser die Elektrostimulation. Nach drei Jahren betrug die Erfolgsrate (Progression unter 6 Grad) bei den Patienten mit Orthese 80 und bei Elektrostimulation 39 Prozent. Aber auch einfaches Abwarten und Beobachten war nicht sinnlos: Die Erfolgsrate betrug 46 Prozent. Nach vier Jahren waren die Werte mit 74, 34 und 33 Prozent erwartungsgemäß geringer, die Unterschiede allerdings immer noch vorhanden. Langfristig (16 Jahre Beobachtungsdauer) jedoch brachte die Orthesentherapie so gut wie nichts: Die Patienten hatten fast die selben Skoliosewerte wie zu Beginn der Behandlung (31.9° versus 33.0° zu Therapiebeginn). In der Gruppe ohne jede Therapie hatte die Skoliose in dieser Zeit zwar zugenommen, aber nur um im Mittel 4,4 Grad.

In der anderen Studie, 2008 publiziert, wurden bei 43 Mädchen weiche und starre Orthesen verglichen. Die Beobachtungsdauer betrug 45 Monate. Ergebnis war zwar eine Überlegenheit der starren Rumpforthese. Aber laut Negrini waren weder die Daten dieser noch die der Studie von 1995  so überzeugend, dass am Nutzen der Rumpforthesen nicht mehr gezweifelt werden könne.

Nach Aussage des italienischen Skoliose-Spezialisten werden an seiner Klinik aber dennoch oft Orthesen in Kombination mit Krankengymnastik verordnet. Auch Dr. John Dormans, Präsident der “Pediatric Orthopedic Society of North America” hält Rumpforthesen für sinnvoll. Die meisten Orthopäden, die Patienten mit juveniler idiopathischer Skoliose behandelten, würden in einer Umfrage für die Orthesentherapie stimmen, vermutet Dormans. Das Problem sei allerdings, Teenager zum täglich mehrstündigen Tragen einer Orthese zu bewegen, erklärte Negrini der Nachrichtenagentur „Reuters“.

Mehr Klarheit zum Nutzen von Rumpforthesen bei Skoliose soll eine bereits laufende große 5-Jahres-Studie liefern, die vom „National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases“ finanziert wird.

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