Barfuß-Joggen: stramme Waden, dicke Sohlen, weniger Verletzungen

Schon wieder schlechte Nachrichten für die Hersteller von Jogging-Schuhen: Barfußlaufen ist einfach gesünder, also weniger verletzungsträchtig, melden US-Forscher um den Biologen und Biomechaniker Dr. Daniel Lieberman von der Harvard-Universität (Boston, Cambridge) in der Zeitschrift „Nature“ (2010, 463: 531-535)

Der wesentliche Unterschied zwischen Joggen mit Schuhen und Barfußlaufen sei, dass die Schuhträger zuerst mit der Ferse aufsetzen, die Barfußläufer dagegen mit dem Vor- und Mittelfuß bzw. den Ballen. Die Stoßwirkung bei diesem „natürlichen“ Laufen sei deutlich geringer, die Verletzungsgefahr daher auch niedriger, erläutern die US-Forscher, die kinematische und kinetische Untersuchungen mit Läufern gemacht haben.

Viele Menschen glauben laut Lieberman, dass Barfußlaufen ungesund sei. Doch das sei falsch. Man könne selbst auf hartem Untergrund, etwa Beton oder Asphalt, laufen, ohne dass es unangenehm oder gar schmerzhaft sei. Man brauche nur etwas Hornhaut auf den Sohlen, damit die Haut nicht verletzt werde.

Jogger, die von nun an auf ihre Laufschuhe verzichten wollen, sollten allerdings vorsichtig sein. Ein wenig Eingewöhnungszeit sei schon notwendig, damit die Fußmuskulatur kräftig und die Waden stramm genug werden.

Für die Hersteller von Jogging-Schuhen sind das natürlich wenig positive Nachrichten. Allein Nike soll in einem Quartal über vier Milliarden US-Dollar Umsatz mit seinen speziellen Tretern gemacht haben. Allerdings hat die Industrie inzwischen auch längst die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Barfußlaufen in ihre Produktion einfließen lassen: Die Absätze von Laufschuhen sind heute bei weitem nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren. Und insgesamt bemüht man sich um die Konstruktion von Laufschuhen, die einen Bewegungsablauf wie beim Barfußlaufen ermöglichen. Denn schon vor mehreren Jahren haben auch deutsche Biomechaniker auf die medizinischen Probleme vor allem zu stark gedämpfter Jogging-Schuhen und die Vorteile des Barfußlaufens hingewiesen.

Und erst Anfang des Jahres hatte eine andere US-Arbeitsgruppe auf die Nachteile des Laufens mit Jogging-Schuhen und die Vorteile des so genannten „natural running“ hingewiesen. Dr. Geoffrey Keenan von der Universität von Virginia in Charlottesville und seine Kollegen hatten 68 gesunde Sportler auf einem Laufband laufen lassen, die einen mit, die anderen ohne Schuhe. Mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitskamera wurden die Bewegungsabläufe aufgenommen, um dann die einwirkenden Kräfte berechnen zu können. Ergebnis war: Bei den Schuhträgern wirkten deutlich höhere Kräfte an  den Hüft-, Knie- und Fußgelenken, berichten die Biomechaniker in den Fachblatt „The Journal of Injury, Function and Rehabilitation“ (2009, 1:1058-1063). Allerdings sollte man dabei bedenken, dass Menschen auf einem Laufband anders laufen als zum Beispiel auf einer Tartanbahn oder auf Asphalt oder Waldboden.

Wer noch mehr zum Thema „natural running“ wissen will, findet viele Informationen auf der Webseite von Lieberman und seinen Kollegen.

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