Schlaganfall: Antidepressivum verstärkt mentale Erholung

Der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Escitalopram verbessere bei Schlaganfall-Patienten die mentale Leistungsfähigkeit, melden US-Forscher um Ricardo E. Jorge (Universität von Iowa) in den „Archives of General Psychiatry“ ( 2010;67(2):187-196).
Für die Untersuchung, die vom „National Institute of Mental Health“ finanziert wurde, nahmen 43 Schlaganfall-Patienten täglich fünf bis zehn Milligramm Escitalopram ein. 45 Patienten erhielten ein Placebo, und 41 nahmen an einer sogenannten Problem-Lösungs-Therapie (problem-solving) teil. Nach zwölfwöchiger Therapie schnitten die Patienten mit dem Antidepressivum in neuropsychologischen Tests besser ab als die übrigen Versuchsteilnehmer. Die Patienten mit dem SSRI  verfügten über bessere kognitive Fähigkeiten. Verbessert hatten sich ihr visuelles und verbales Erinnerungsvermögen sowie ihre Denk- und Lernfähigkeiten.

Das Medikament erhöhte nicht nur die Konzentration des Hormons Serotonin im Gehirn. Laut den US-Forschern modifizierte Escitalopram einige für Lern-, Denk- und Erinnerungsfähigkeit wichtige Gehirnareale wie Sehrinde, Hippocampus oder Großhirnrinde. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Veränderungen zum verbesserten verbalen und visuellen Erinnerungsvermögen der mit Escitalopram behandelten Versuchsteilnehmer geführt haben.  Der Effekt des SSRI auf die mentale Leistung war laut Jorge unabhängig von Effekten auf depressive Symptome. Von SSRI ist seit längerem bekannt, dass sie im Hippocampus und in der Hirnrinde neuroplastische Veränderungen hervorrufen. Fluoxetin etwa erhöht die Proliferation von neuronalen Vorläuferzellen und verstärkt die neuronale Plastizität, unter anderem vermittelt über den „Brain derived growth factor“. Die vorliegende Studie ist nun ein weiterer Beleg dafür, dass SSRI in dem komplexen Prozess der kognitiven Erholung nach Schlaganfall eine wichtige Rolle spielen könnten.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Schlaganfall: Antidepressivum verstärkt mentale Erholung

  1. Wollte ich eigentlich gestern Abend schon geschrieben haben – so bist Du mir ´mal wieder voraus 😉
    M.

    • tommasinifire

      Hallo Michael,Dein Beitrag enthlt dafr Dieners Kommentar, den habe ich gestern nicht bekommen, dafr habe ich die Originalarbeit. Und die ist insofern interessant, weil das Thema Serotonin und Kognition und Schlaganfall diskutiert wird. Siehe auch "Pubmed".Wre natrlich gut, zu wissen, von welchen methodischen Mngel Diener spricht.

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