Autismus und Impfung: „Lancet“ entsorgt Wakefield-Studie

Der „Lancet” hat jetzt eine Publikation zurückgerufen, die für einen 12jährigen Streit über den Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus gesorgt hat.

Die 1998 publizierte kleine Studie des britischen Gastroenterologen Andrew Wakefield legte die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Autismus sowie unspezifischer Colitis einerseits und der MMR-Impfung andererseits gebe. Folge dieser Publikation im „Lancet“ war, außer weltweiten Kontroversen Diskussionen, ein erheblich Rückgang der Impfraten in den USA und in Europa – mit der Folge, dass die Masern-Inzidenz etwa wieder zunahm.

Grund dafür, die Publikation jetzt zurückzuziehen, ist laut „Lancet“, dass die Arbeit erhebliche Fehler enthalte.

Ein Disziplinarausschuss des britischen „General Medical Council” (britische Ärztekammer) hatte letzte Woche entschieden, dass Wakefield seine Forschungsergebnisse in „unverantwortlicher und betrügerischer Weise dargestellt und eine gefühllose Geringschätzung für die Kinder in seiner Studie“  gezeigt habe. So soll er zum Beispiel Kindern auf der Geburtstagsfeier seines Sohnes Geld gezahlt haben, um ihnen Blutproben entnehmen zu können.

Bereits vor sechs Jahren war bekannt geworden, dass Wakefield vor der Veröffentlichung von Anwälten, die Eltern Autismus-betroffener Kinder vertraten, 55 000 britische Pfund an so genannten Drittmitteln erhalten hatte. Diese Anwälte hatten nach Verbindungen zwischen Autismus und der Impfung gesucht, um Hersteller des Impfstoffes zu verklagen.

Wakefield, der heute für eine Privatklinik in Texas in den USA arbeitet, erklärte, dass er von den Ergebnissen der Untersuchung extrem enttäuscht sei. Die gegen ihn und seine Kollegen erhobenen Anschuldigungen seien unbegründet und ungerecht. Die Ärztekammer muss jetzt entscheiden, ob es sich bei dem Verhalten der Wissenschaftler um einen ernstes standeswidriges Verhalten handelt und ob Sanktionen wie die Streichung aus dem Arztregister ergriffen werden sollten. Eine Entscheidung wird erst in einigen Monaten zu erwarten sein.

Dass an der Behauptung von Wakefield nichts dran ist, hatte erst vor Kurzem eine polnische Studie mit 96 autistischen und 192 gesunden Kindern ergeben. Diese im „Pediatric Infectious Disease Journal“ veröffentlichte Studie ist nur einen von vielen wissenschaftlichen Arbeiten, in denen kein Zusammenhang zwischen der Impfung und Autismus nachgewiesen werden konnte. In der polnischen Studie war die Autismus-Rate bei den geimpften Kindern sogar geringer als bei den ungeimpften. Der Grund dafür war allerdings unklar.

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