Schweinegrippe: Warten auf die Welle oder Pandemrix auf den Müll?

Warnung vor der Schweinegrippe
Image by dwarslöper via Flickr

Das Schweinegrippe-Virus ist laut WHO zwar auf dem Rückzug, sei aber immer noch weltweit präsent. Es komme auch noch zu Todesfällen. Eine weitere „H1N1-Welle” sei nicht auszuschließen. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt noch keine Entwarnung: Laut Günther Dettweiler gab es in den vergangenen Wochen zwar einen erheblichen Rückgang der Fallzahlen. Die erste Welle sei also am Auslaufen. Aber, so der RKI-Sprechergegenüber „Bild.de“: „Pandemien sind in der Vergangenheit in mehreren Wellen aufgetreten. Es isti nicht ausgeschlossen, dass die Infektionen wieder zunehmen werden.“

Nichtsdestotrotz landet in Deutschland der GSK-Impfstoff Pandemrix inzwischen angeblich „auf dem Müll“. Kaum ein Bundesbürger lässt sich offensichtlich noch impfen. Nach einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ bestätigte die Berliner Gesundheitsverwaltung gegenüber der Senats CDU-Abgeordneten Mario Czaja, dass die ersten Impfdosen von Pandemrix bereits entsorgt würden. Insgesamt seien allein in Berlin Impfdosen im Wert von rund 90 000 Euro abgelaufen. Über 10 000 Impfdosen seien entsorgt worden, da die Haltbarkeit von Pandemrix abgelaufen sei. Die Kosten trägt natürlich der Steuerzahler. Seit Ausbruch der Schweinegrippe erkrankten in Deutschland nach Angaben des RKI übrigens rund 220 000 Menschen. 216 Menschen seien an den Folgen der Schweinegrippe gestorben.

Anders als in Deutschland gibt es in der Schweiz jedoch eher Entwarnung: Das Virus H1N1 sei zwar weiterhin aktiv, aber die Pandemiewelle neige sich dem Ende zu, sagte nach einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ Patrick Mathys, Leiter der Pandemivorbereitungen beim Schweizer Bundesamt für Gesundheit. Und in Großbritannien sei die Schweinegrippe-Pandemie quasi offiziell sogar „abgesagt“ worden, meldet „Bild.de“. Die Regierung habe die 24-Stunden-Notfall-Hotline geschlossen, weil die Infektions-Zahlen immer weiterfielen. Die Bilanz: 411 Tote – ursprünglich sei man von 65 000 Todesopfern ausgegangen.

In den USA sind die zuständigen Behörden noch vorsichtig. Die US-Bürger sind in Sachen Schweinegrippe-Impfung aus Sicht der „Centers for Disease Control und Prevention” (CDC) nachlässig geworden. „Viele Menschen glauben, alles sei vorbei. Für diese Art von Gelassenheit ist es meiner Meinung nach jedoch zu früh”, sagte Dr. Anne Schuchat von den CDC.

Vorläufige Daten bestätigen nun, dass vor allem Kinder von der Schweinegrippe betroffen waren. Danach sei die Sterberate unter 5- bis 14jährigen Kindern um 28 Prozent gestiegen, berichten Dr. Anne Mazick und ihren Kollegen vom „Statens Serum Institute“ in Kopenhagen im Online-Journal „Eurosurveillance“ Mazick und ihre Kollegen haben Daten von fast 67 Millionen Menschen aus mehreren europäischen Ländern ausgewertet, darunter Belgien, Dänemark, Griechenland und Deutschland (Hessen). Die vorläufigen Zahlen zeigten zwar, dass die Sterberate während der H1N1-Pandemie im letzten Jahr nicht so hoch sei wie während einer normalen saisonalen Influenza-Epidemie, berichten die Wissenschaftler. Unter den 5- bis 14jährigen Kindern sei sie jedoch vergleichsweise erhöht gewesen.

Egal, ob noch eine H1N1-Welle kommt oder nicht. Die pharmazeutische Industrie hat daran auf jeden Fall gut verdient. Der Impfstoff-Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) etwa setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr 32,55 Milliarden Euro um, ein Plus von 3 Prozent. Besonders das Impfstoff-Geschäft ließ angeblich die Kassen klingeln. In der Sparte, zu der Pandemrix gehört, kletterte der Umsatz um fast ein Drittel auf mehr als vier Milliarden Euro. Auch der Neuraminidasehemmer Relenza brachte Umsatz – und zwar 826 Millionen Euro. Für 2010 erwartet der Konzern in etwa den gleichen Umsatz bei den Impfstoffen. Trotz eines Gewinnzuwachs von 11 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro will GSK allerdings Stellen streichen. Weltweit sind nach Medienberichten 4000 Arbeitsplätze gefährdet. Hintergrund: GSK will sich aus verschiedenen Forschungsbereichen zurückziehen. Der Pharmakonzern hat nach früheren Angaben 99 000 Beschäftigte. Ein Kostensenkungsprogramm brachte 2009 bereits Einsparungen von 1,15 Milliarden Euro. 2011 sollen 1,95 Milliarden Euro eingespart werden.

Auch das Schweizer Unternehmen Roche ist bei der Schweinegrippe nicht gerade schlecht weggekommen: Der Umsatz mit Tamiflu verfünffachte sich im vergangenen Geschäftsjahr auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Insgesamt setzte Roche 2009 mit fast 34 Milliarden Euro zehn Prozent mehr um als im Jahr zuvor.

Links:

„Dwarslöper“

Hippokranet

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