Pfizer wegen Sortis-Vermarktung unter Druck

Das Pharmaunternehmen Pfizer sieht sich in den USA erneut mit schweren Vorwürfen wegen seiner Vermarktungspraktiken

konfrontiert, wobei es um den Blockbuster Sortis (Atorvastatin) geht. Die Vorwürfe kommen von dem Ex-Marketing-Manager Dr. Jesse Polansky, bis 2003 bei Pfizer angestellt war. Vor wenigen Tagen haben seine Anwälte eine Klageschrift bei einem New Yorker Gericht eingereicht. Sie ist im Internet als PDF-Datei frei erhältlich.

Der ehemalige Pfizer-Angestellte hatte schon vor sechs Jahren versucht, juristisch mit ähnlichen Vorwürfen gegen Pfizer vorzugehen, aber die zuständigen Behörden entschieden sich damals dafür, nicht einzuschreiten. Pfizer selbst bestreitet bislang die Behauptungen.

Der US-amerikanische Arzneimittelhersteller hat mit solchen Vorwürfen schon reichlich Erfahrung: Letztes Jahr musste das Unternehmen 2,3 Milliarden US-Dollar zahlen, weil es nach Ansicht des Gerichts für mehrere Arzneimittel Werbung ausserhalb der Zulassungen betrieben habe. Im November 2009 berichteten außerdem US-Forscher im „New England Journal of Medicine“, Pfizer und seine Tochtergesellschaft Parke-Davis hätten Studien zu Gabapentin (Neurontin) manipuliert.

Jetzt geht es um die Vermarktung des Blockbusters Sortis, mit dem das Unternehmen allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 11 Milliarden US-Dollar erzielt haben soll. Der Hauptvorwurf: Mit bewusst irreführenden Angaben und unter Missachtung der offiziellen Leitlinien habe das Unternehmen Ärzte zur Verschreibung von Sortis bei Patienten bewogen, für die das Statin nicht zugelassen gewesen sei  – zu Lasten staatlicher Krankenversicherungen. Außerdem habe Pfizer Ärzte und Patienten über die Sicherheit des Statins bewusst falsch informiert, behauptet Polansky. Der Chemiker und Arzt war nach seinen eigenen Angaben 2003 gefeuert worden, weil er die aus seiner Sicht zu aggressiven Vermarktungspraktiken kritisiert hatte.

Für die Vermarktung habe Pfizer selbstverständlich auch Ärzte instrumentiert, die ihren Kollegen die vielen Vorteile von Sortis zu beschreiben hatten. Für diese Art von Marketing haben die US-Amerikaner übrigens einen hübschen Begriff: „Stealth Marketing“. Absicht dahinter ist, zu vermeiden, dass Ärzte das Gefühl haben, von einer Firma beeinflusst zu werden. Deswegen werden zur Verbreitung der Botschaften lieber Ärzte als etwa Verkaufsrepräsentanten eingesetzt. Das beste Marketing ist eben das, was man nicht bemerkt. Außerdem habe Pfizer Informationsmaterial (etwa Software und webbasierte Fortbildungsprogramme)) mit irreführenden Aussagen an Ärzte und Patienten verteilt. Ein elektronischer Risikokalkulator habe zum Beispiel ein kardiovaskuläres Risiko berechnet, das zur zulassungsgemäßen Verordnung von Sortis berechtigt habe. Darüber hinaus soll das Unternehmen ebenso wie bei Gabapentin auch bei Sortis Studien (Beispiel: die TNT-Studie) manipuliert und die Verbreitung von Studiendaten unterdrückt haben, die ungünstig für Sortis waren.

Polansky wirft Pfizer allerdings nicht allein vor, die off-label-Verschreibung von Sortis aggressiv forciert zu haben, sondern auch Nebenwirkungen verschwiegen oder heruntergespielt zu haben, etwa Muskelschwäche und Muskelschmerzen und Schlaganfälle.

Ein anderes Problem sind nach Polansky Schlaganfälle unter Sortis. Pfizer selbst habe für Sortis auch mit der Aussage geworben, dass das Statin vor Schlaganfällen schütze. Einige Forscher hätten  in Studien jedoch herausgefunden, dass Sortis bei bestimmten Patienten-Gruppen, etwa Dialyse-Patienten das Schlaganfall-Risiko erhöht. Nach Angaben eines Autors dieser „Negativ-Studien“ habe das Unternehmen nicht allein die Publikation der Studie verzögert. Es sei  sogar Druck auf ihn ausgeübt worde,  heißt es in der Klageschrift von Polansky.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Pfizer wegen Sortis-Vermarktung unter Druck

  1. Ist hier schon was genaueres rausgekommen?

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