Dabigatran: Das Ende von Warfarin?

Hans-Christoph Diener- DGN

Der neue Thrombozytenhemmer Dabigatran verhindert bei Patienten, die bereits einen Infarkt oder eine TIA hatten, erneute Schlaganfälle ebenso gut wie Warfarin – und zwar bei einer geringeren Blutungsrate. Dieses Ergebnis einer Subanalyse der RE-LY-Studie von Boehringer Ingelheim ist heute auf der Internationalen Schlaganfall-Konferenz” in San Antonio mitgeteilt worden.

Für die Subanalyse wurden Daten von 3623 Patienten ausgewertet. Die Schlaganfallrate oder die Häufigkeit von Thromboembolien in nicht-zerebralen Gefäßen betrug unter Warfarin 2,74 Prozent pro Jahr (n = 64), unter niedrigdosiertem Dabigatran 2,32 Prozent (n = 55) und unter hochdosiertem Dabigatran 2,07 Prozent ( n = 51). Kein Unterschied war nach Angaben des Studienleiters Professor Hans-Christoph Diener (Essen) allerdings signifikant. Überlegen war der neue Thrombozytenhemmer bei der Verträglichkeit: Unter der Niedrig-Dosis von Dabigatran (Pradaxa) war die Rate schwerer Blutungen um 32 Prozent geringer als unter Warfarin. Die Häufigkeit zerebraler Blutungen war sogar unter der hohen wie der niedrigen Dosis signifikant vermindert. Dabigatran-Patienten hatten allerdings etwas häufiger Herzinfarkte als Warfarin-Patienten.

In der Gesamt-Population der RE-LY-Studie, die letztes Jahr im Spätsommer im „NEJM“ erschien, gab es unter Dabigatran auch vermehrt gastrointestinale Blutungen. Aber solche Blutungen seien in der Regel beherrschbar , sagte Diener. Außerdem: Schwere intrazerebrale Blutungen seien entweder tödlich oder führten zu einer lebenslangen Behinderung. Ein großer Vorteil von Dabigatran sei zudem, dass anders als bei Warfarin kein strenges Monitoring notwendig sei und die Wirksamkeit nicht von der Ernährung etwa beeinträchtigt werde.

Dabigatran sorgt seit der Veröffentlichung der RE-LY-Studie im August des vergangenen Jahres  für viele Diskussionen unter Kardiologen. Diese Studie  mit über 18 000 Patienten hatte ergeben, dass Dabigatran in der Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien dem Goldstandard Warfarin eindeutig überlegen ist und dies nicht mit einer höheren Rate an hämorrhagischen Schlaganfällen bezahlt wird. Manche Kardiologen waren bei der Studienpräsentation auf dem Europäischen Kardiologenkongress von den Ergebnissen so beeindruckt, dass sie sogar von einem Paradigmenwechsel in der gerinnungshemmenden Therapie sprachen.

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