Dimebon: Alzheimerträume geplatzt?

Dimebon sei bei Alzheimer-Patienten nicht wirksam, melden Pfizer und sein Partner Medivation.

Das Präparat, in dass die Pharmafirma sehr große Hoffnungen gesetzt hatte, erwies sich in einer Phase-III-Studie (Connection) mit knapp 600 Patienten als nicht besser wie ein Placebo-Präparat.,Man sollte das Ergebnis einer einzigen Studie aber nicht überbewerten, meinte Dr. Pierre Tariot vom „Banner Alzheimer’s Institute“. Tariot: „Meiner Ansicht nach müsste das Präparat weiter untersucht werden.“

Dimebon weckte große Hoffnungen unter Wissenschaftlern wie Patienten und Angehörigen, als 2008 eine Studie in Russland  die Vermutung aufkommen ließ, das Pfizer-Präparat sei wirksamer als verfügbare Alzheimer-Präparate. Außerdem habe Dimebon ein „exzellentes Sicherheitsprofil“, so Dr. Richard Lipton (Montefiore Headache Center).

Es habe zwar durchaus Zweifel an der russischen Studie gegeben, aber die jetzt präsentierten Resultate seien doch gegen alle Erwartungen sehr enttäuschend, meinte Dr. Steven Ferris, (Aging & Dementia Research Center, Universität von New York).

Anderer Ansicht ist da der Alzheimer-Forscher Dr. Rudolph Tanzi („Aging Research Unit, Massachusetts General Hospital“). Ihn hätten die negativen Ergebnisse  überhaupt nicht überrascht. Genauso sieht dies Dr. Sid Gilman, Chefneurologe der Universität von Michigan. Gilman: „Die Ergebnisse der russischen Studie waren doch recht zweifelhaft.“ Außerdem gebe es keine Erklärung für die angebliche Wirksamkeit von Dimebon bei Alzheimer-Demenz.

Die aktuellen negativen Ergebnisse zu Dimebon bedeuten aber nicht das Ende des Präparates. Pfizer und Medivation prüfen die Substanz noch in drei Studien bei Alzheimer-Kranken und in einer weiteren Studie bei Patienten mit Chorea Huntington. Laut David Hung, Chef von Medivation, plant das Unternehmen auch, Dimebon–Analoga zur Behandlung von Herzinsuffizienz- , Schlaganfall- und Parkinson-Kranken zu entwickeln.

Erst vor wenigen Wochen wurde gemeldet, dass Dimebon möglicherweise gegen Chorea Huntington hilft. Nach Angaben der US-Studienleiter verbesserte Dimebon – Wirkstoff ist Latrepirdin – Lern- und Gedächtnisleistungen und wurde von den Huntington-Patienten gut vertragen. Dr. Karl Kieburtz (Universität von Rochester in New York) und seine Kollegen hatten Dimebon in einer kleinen, vom Hersteller finanzierten Studie bei 91 Patienten mit leicht bis mäßig ausgeprägter Chorea getestet. Dimebon habe im Vergleich zum Scheinpräparat kognitive Parameter verbessert, berichteten die Wissenschaftler in den „Archives of Neurology“. Latrepirdin wurde gut vertragen. Fast 90 Prozent der Patienten beendeten die Studie. Die US-Forscher vermuten, dass der Wirkstoff auf die Mitochondrien wirkt und deren Membranen stabilisiert. Eine größere Studie mit 350 Patienten soll zeigen, ob Dimebon wirklich eine Therapieoption für Huntington-Patienten sein könnte.

Die Substanz ist übrigens nicht neu. In Russland war sie einmal als Antihistaminikum gegen verstopfte Nase auf dem Markt. Der generische Name war damals Dimebolin, der aber vor einem Jahr durch Latrepirdin ersetzt wurde.

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