Neue Prionen-Erkrankung: Hoffnung auf Alzheimer-Therapie

Prion-Plaques um Blutgefäß. NIH/Chesbero

Prion Protein

Prion-Eiweiß. Image by AJC1 via Flickr

Um Prionen-Erkrankungen wie BSE und Jakob-Creutzfeldt ist es in der Öffentlichkeit sehr still geworden. In der Wissenschaft ist das allerdings anders: Forscher der „National Institutes of Health (NIH)” haben jetzt aber zusammen mit schottischen Wissenschaftlern eine neue Prionen-Erkrankung entdeckt, die Hoffnungen auf neue Therapieansätze weckt – vor allem gegen Alzheimer-Demenz. Denn histologisch ähnelt die bei Mäusen festgestellte neue Erkrankung einer zerebralen Amyloid-Angiopathie, wie sie auch beim Morbus Alzheimer vorkommt. Die Befunde zeigten einen neuen Mechanismus der Hirnschädigung durch Prionen, berichten in „Plos Pathogens“.

Dr. Bruce Chesebro, Chef-Virologe beim „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (Rocky Mountain Laboratories) und seine Mitarbeiter. Die histologischen Veränderungen ähneln laut Chesebro jenen, die man bei zwei Patienten mit der Prionen-Erkrankung Gerstmann-Straussler-Scheinker gefunden hat.

Das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom ist eine spongiforme Enzephalopathie, die der Creuzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJK) ähnelt. Symptome sind Ataxie, Dysarthrie und Nystagmus. Später kann sich auch eine Demenz entwickeln. Meist führt die Krankheit innerhalb von ein bis elf Jahren zum Tod.

Andere Formen der übertragbaren spongiformen Enzephalopathien sind bei Menschen außer der CJK, Kuru und die tödliche familiäre Schlaflosigkeit, bei Rindern BSE und bei Schafen Scrapie.

Laut Chesebro weisen die neuen Studienergebnisse darauf hin, dass Prionen-Erkrankungen in zwei Gruppen unterteilt werden können, zum einen in die Gruppe mit Plaques, die zerebrale Gefäße zerstören, und zum anderen in eine Plaque-freie Gruppe mit den für Prionen-Erkrankungen typischen Schwamm-ähnlichen Gewebeveränderungen. Die große Hoffnung der Wissenschaftler ist nun, einen Wirkstoff zu finden, der gegen die durch Prionen verursachten Schäden und vor allem auch bei Alzheimer-Amyloidose hilft.

Das ist allerdings ein ausgesprochen schwieriges Geschäft. Seit Jahren suchen Wissenschaftler weltweit nach Substanzen zur Zerstörung von Amyloid-Plaques. Eine der intensiv erforschten Substanzen ist zum Beispiel das Eprodisat. Der Wirkstoff ist aber noch immer in der klinischen Erprobung. Ein weiterer Wirkstoff ist das im grünen Tee (Camellia sinensis) enthaltene Catechin EGCG (Epigallocatechin-3-Gallat). An der Universität Heidelberg zum Beispiel läuft mit Unterstützung der Peter Waldmann Amyloidose-Stiftung seit April 2008 eine Studie bei Patienten mit Transthyretin-Amyloidose, einer speziellen hereditären Amyloidose. Denn bislang gebe es keine klinische Studie, die zweifelsfrei belege, dass EGCG bei neurodegenerativen Krankheiten hilft, so Schönland.

US-Forscher vom „Boston Biomedical Research Institute“ und der „University of Pennsylvania“ glauben, einen kleinen Schritt weitergekommen zu sein. Sie haben EGCG mit dem Dianilinophthalimid DAPH-12 kombiniert und bei Hefe-Amyloid ausprobiert – mit Erfolg, wie sie in „Nature Chemical Biology“ berichtet haben. Einen kleinen Schritt vorangekommen sind möglicherweise auch britische Wissenschaftler, die vor kurzem festgestellt haben, dass Amyloid-Fibrillen umso giftiger für Zellen sind, je kürzer sie sind – ein Befund, von dem sich die Forscher der Universität von Leeds neue Therapieansätze erhoffen.

Noch am Anfang steht auch eine Therapieoption auf der Basis der so genannten RNA-Interferenz (RNAi. Darunter versteht man einen physiologischen Zellmechanismus, der die Genexpression einzelner Gene beeinflusst, sie an- oder abstellt. Das US-Unternehmen Alnylam Pharmaceuticals, spezialisiert auf RNAi-Therapeutika, hat vor Kurzem bekanntgegeben, noch in der ersten Hälfte dieses Jahres eine Phase-I-Studie mit einem systemischen RNAi-Therapeutikum zu starten.

Reblog this post [with Zemanta]
Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s