ACCORD-Studie: Aggressive Blutdrucksenkung bringt Diabetikern nichts

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Atlanta: Image via Wikipedia

Nach neuen Daten der „ACCORD”-Studie bringt es nichts, bei Diabetikern den systolischen Blutdruck unter 120 mmHg zu senken. Auch die Kombination von Simvastatin mit Fenofibrat nützt den Patienten nicht mehr als das Statin alleine. Die „Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes”-Studie ist heute in Atlanta auf der Jahrestagung der US-Kardiologen vorgestellt worden und zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ erschienen.

Laut Studienleiter Dr. William C. Cushman aus Memphis gab es beim primären Studienendpunkt aus tödlichen und nichttödlichen kardiovaskulären Ereignissen keine signifikanten Unterschiede zwischen einer intensivierten antihypertensiven Therapie mit einem Blutdruck unter 120 und einer Therapie mit einem Wert unter 140 mmHg.

Nach Aussage von Cushman war er über dieses Resultat erstaunt. Er habe gedacht, dass es Diabetikern nütze, wenn der Blutdruck stärker gesenkt werde. Das Ergebnis sei natürlich trotzdem sehr wichtig, zumal es bei diesen Patienten ohnehin schon schwierig genug sei, den Blutdruck unter 140 zu senken.

An der „ACCORD“-Studie haben 10251 Hochrisiko-Patienten mit Typ-2-Diabetes teilgenommen. Sie erhielten entweder eine intensivierte oder eine konventionelle blutzuckersenkende Therapie. Diese Studie wurde vorzeitig im Februar 2008 beendet, da die Sterberate in der Gruppe mit der intensivierten Therapie erhöht war.

Für die Beurteilung der Blutdruck-Therapie erhielten 4733 Patienten der Studie entweder eine aggressive oder eine konventionelle Pharmakotherapie – allerdings ohne Verblindung. Die Beobachtungsdauer betrug fast fünf Jahre. Nach einem Jahr Therapie betrug der systolische Blutdruck in der einen Gruppe 119,3 mmHg, in der anderen Gruppe 133,5 mmHg. Weder beim primären Endpunkt noch bei den sekundären Endpunkten gab es signifikante Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen – allein bei sekundären Endpunkt Schlaganfall profitieren Patienten von einer stärkeren Blutdrucksenkung. Um aber nur einen Schlaganfall zu verhindern, müssten 89 Patienten fünf Jahre lang intensiviert behandelt werden. Außerdem: Erwartungsgemäß waren Nebenwirkungen  mit einer Rate von 3,3 Prozent in der Gruppe mit intensivierter Therapie mehr als zweimal so häufig wie in der Gruppe mit dem höheren systolischen Blutdruck (1,3 Prozent). Der Unterschied war signifikant.

Auch eine weitere Analyse unterschiedlicher lipidsenkender Therapiestrategien, die ebenfalls heute in Atlanta vorgestellt wurde,  ergab keine Unterschiede: Die Kombination von Fenofibrat und Simvastatin war nicht besser als das Statin alleine. Für diesen Studienteil wurden Daten von 5518 Diabetikern ausgewertet.

Nach einem Kommentar von Dr. Peter M. Nilsson (Universität von Malmö) zeigen alle ACCORD-Daten, dass bei Typ-2-Diabetikern flexible und individuelle Behandlungsziele angestrebt werden sollten, und zwar beim Blutzucker, beim Blutdruck und bei den Lipidparametern.

Nach einer aktuellen Information von „Medpage“ hat die FDA inzwischen angekündigt, die Daten der „ACCORD“-Studie noch mal eingehend zu prüfen.

Hier ein Auszug aus dem Bericht von „Medpage“:

„The FDA said it will conduct a full review of findings from a study which concluded that neither aggressive lipid-lowering therapy nor tight blood pressure control reduced cardiovascular events in persons with diabetes.

The study, known as ACCORD, investigated the addition of fenofibrate to statin therapy. It was this add-on therapy that appears to have triggered the FDA review. The addition of fenofibrate did not reduce cardiovascular events, the study found, although there was a non-significant trend toward a benefit in a subset of patients…“

A „spokesperson said the agency planned to include a review of the labeling and indications for fenofibric acid. It should, however, be noted that the trial used fenofibrate…The FDA said it would release more details concerning the planned review tomorrow…“

Siehe auch das Statement zur ACCORD-Studie von Dr. Sanja Kaul auf „Cardiobrief“


“The results of ACCORD are not entirely unexpected given the mixed track record of the fibrate class of lipid modifying agents. The results in the subset of individuals with elevated TG and low HDL are interesting. Even though this analysis was prespecified, and despite the fact that it makes biological sense, a positive interaction in a subgroup when the overall trial results are null, is difficult to interpret. Previous trials with fibrates (Helsinki Heart Study, Bezafibrate Infarction Protection Study, FIELD) have also yielded positive results, illustrating the requirement of a permissive environment of elevated TG or low HDL for these agents to be effective. Greater improvements in HDL and TG levels in this subgroup might contribute to these results. Perhaps the proper place for fenofibrate is in this particular subgroup of patients, i.e., patients with elevated TG and low HDL while on statins. In ACCORD, about 20% (941/4548) of patients had this profile.”

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