Präventionspreis für zwei Lübecker Wissenschaftler

Varianten des sogenannten MRAS-Gens erhöhen für Ihre Träger das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung, für die Professorin Jeanette Erdmann (Lübeck) jetzt mit dem Präventionspreis ausgezeichnet wurde. Die Biologin teile den Preis mit Dr. Sebastian Schmid (Lübeck), meldet die „Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin“ (DGIM).

Er hat in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Typ-2-Diabetes belegt. Die Deutsche Stiftung Innere Medizin verlieh den mit jeweils 5000 Euro dotierten Preis beim 116. Kongress der DGIM.

Herzinfarkte stellen in den Industrienationen die häufigste Todesursache dar. Jedes Jahr sterben in Europa rund 750 000 Menschen daran. Außer Risikifaktoren wie Alter, Nikotinmissbrauch oder Bluthochdruck weisen neue Studien auch auf erbliche Ursachen hin. In einem europaweiten Projekte identifizierte Professor Erdmann, Leiterin des Molekulargenetischen Labors der Medizinischen Klinik II, gemeinsam mit Kollegen insgesamt 13 Gene, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant sind.

Als Koordinatorin der Analysen stellt sie in der ausgezeichneten Studie nun Gene vor, deren Varianten bei ihren Trägern einen Herzinfarkt begünstigen. Dafür verglichen die Forscher 870 000 genetische Marker von 1200 Infarkt-Patienten mit jenen von Gesunden. Weiterführende Untersuchungen mit 25 000 Patienten bestätigten den Verdacht: Das so genannte MRAS-Gen und das HNF-1A-Gen treten bei Herzinfarktopfern in besonderen Varianten auf. Letzteres spielt eine Rolle im Cholesterin-Stoffwechsel.

Die Jury der DGIM würdigt diese noch unveröffentlichte Arbeit insbesondere, weil sie auf grundlagenwissenschaftlicher Basis Wege für eine gezielte Präventionstaktik eröffne. Sie erlaube, Menschen mit diesem genetischen Defekt gezielt zu behandeln. Zudem sprechen die Ergebnisse für das Vorgehen, die Volkskrankheit Koronare Herzerkrankung aggressiv zu therapieren, um dem Infarkt vorzubeugen, so die Juroren.

Vorbeugung aus klinischer Sicht legt die zweite ausgezeichnete Arbeit nahe. Darin zeigt Dr. Schmid, dass wenig Schlaf die körperliche Aktivität vermindert und den Zuckerstoffwechsel verändert. Dafür wertete der Internist von der Medizinischen Klinik I Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel 15 normalgewichtiger Männer aus, die zwei Nächte jeweils acht oder nur vier Stunden geschlafen hatten. Es zeigte sich, dass die müden Probanden sich deutlich weniger bewegten. Gleichzeitig sank bei ihnen die Konzentration des Hormons Glukagon, das den Fettabbau fördert und den Blutzuckerspiegel erhöht. Die Studienteilnehmer aßen jedoch nicht weniger. Und auch die Werte der hungerregulierenden Hormone Grehlin und Leptin veränderten sich bei ihnen nicht. Die Studie identifiziert auf diese Weise verkürzten Schlaf als potenziellen Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes mellitus und Übergewicht.

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