Pfizer-Forscher auf dem Wege zum „Viagra für die Frau“

Forscher seien dem „Viagra für die Frau“ einen Schritt näher gekommen, heißt es weltweit in mehreren Medien. Hintergrund ist eine tierexperimentelle Studie britischer Wissenschaftler, die jetzt im „British Journal of Pharmacology“ erschienen ist.

In Versuchen mit Kaninchen hatten die Forscher des Unternehmens Pfizer festgestellt, dass die experimentelle Substanz UK-414,495 die durch elektrische Stimulation gesteigerte Perfusion der Genitalien noch verstärkt. Bei der Substanz handelt es sich um einen selektiven Hemmer der neutralen Endopeptidase (auch als Neprilysin bezeichnet). Die Forscher um Dr. Chris Wayman hoffen, einen Ansatz zu Behandlung von Frauen mit verminderter sexueller Erregbarkeit gefunden zu haben. Davon seien nach ihren Angaben bis zu 40 Prozent der Frauen betroffen. Die Pfizer-Forscher wollen nun die experimentelle Substanz weiterentwickeln.

Die Ergebnisse von Wayman und seinen Kollegen seien zwar ermutigend, sollten allerdings zurückhaltend bewertet werden, schreibt der spanische Forscher Dr. Javier Angula in einem Kommentar. Zum einen handele es sich hier nur um einen tierexperimentellen Befund, dessen Übertragbarkeit eingeschränkt sei. Zum anderen sei das Problem der sexuellern Störungen bei Frauen doch ausgesprochen komplex, so dass es selbstverständlich nicht auf den Faktor lokale Perfusion reduziert werden könne. Von einem klinischen Nutzen eines Neprilysin-Hemmers bei dieser Indikation sei man also noch weit entfernt.

Deutlich näher am schlagzeilenträchtigen „Viagra für die Frau“ ist dagegen das deutsche Unternehmen Boehringer Ingelheim mit demWirkstoff Flibanserin. In einer täglichen Dosis von 100 Milligramm steigert Flibanserin bei Frauen mit verminderter Libido signifikant die Lust auf Sex und die Häufigkeit eines zufriedenstellenden Sexualverkehrs. Das war in aller Kürze das wesentliche Ergebnis von vier Phase-III-Studien, die 2009 in Lyon beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin vorgestellt wurden. An den Studien mit dem ursprünglich als Antidepressivum entwickelten Medikament hatten rund 2000 Frauen mit so genannter „Hypoactive Sexual Desire Disorder“ (HSDD) teilgenommen.
Flibanserin ist ein Serotoninwiederaufnahme-Hemmer sowie partieller Dopamin-D4-Agonist. Im Gegensatz zu Viagra ist die Therapie mit Flibanserin eine Dauertherapie. Die Wirkung setzt nicht innerhalb von ein oder zwei Stunden ein. Signifikante Unterschiede zu Placebo waren in den Studien erst nach etwa vier Wochen vorhanden. Das Medikament wurde gut vertragen. Als unerwünschte Wirkungen sollen nur leichte oder mäßig ausgeprägte Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit und Schlaflosigkeit aufgetreten sein. Laut Boehringer Ingelheim klagen in den USA zehn Prozent aller Frauen über ein vermindertes sexuelles Verlangen. Nach Angaben von Sexualforscher Uwe Hartmann von der Medizinischen Hochschule leiden möglicherweise sogar bis zu 30 Prozent aller Frauen an gestörter Libido.
Als Antidepressivum konnte Flibanserin in klinischen Studien nicht so recht überzeugen. Allerdings machte die Forscher bei den klinischen Studien etwas stutzig: Viele Frauen wollten das Flibanserin  unbedingt weiter einnehmen. Der Grund wurde bald klar:  Das Antidepressivum steigerte das sexuelle Verlangen. Studien bei Frauen mit verminderter Libido waren daher naheliegend – zumindest aus der Sicht des Unternehmens. Laut Andreas Barner, Chef des zweitgrößten deutschen Pharmakonzerns, könnte Flibanserin in zwei oder drei Jahren auf den Markt kommen.

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