Hirnstimulation bei Parkinson: Erfolgreiche Ein-Jahres-Daten

Für die Lebensqualität schwer Parkinson-Kranker ist die tiefe Hirnstimulation zusätzlich zur Pharmakotherapie eine überlegenswerte Option, bestätigen nun Ein-Jahres-Daten einer noch laufenden britischen Studie. Allerdings ist der invasive Eingriff erwartungsgemäß nicht frei von Komplikationen.

Britische Neurologen um Professor Adrian Williams (Birmingham) haben die Kombination von Stimulation plus Medikation mit der alleinigen Pharmakotherapie bei 366 Parkinson-Patienten miteinander verglichen. Bei allen Patienten waren die klinischen Symptome medikamentös nicht mehr ausreichend zu kontrollieren. 50 Prozent von ihnen wurden randomisiert der Gruppe mit der Kombinationstherapie zugeordnet, die anderen Patienten erhielten eine Pharmakotherapie. Fünf Patienten konnten allerdings nicht operativ behandelt werden, da drei von ihnen die Stimulation ablehnten, ein Patient für eine Anästhesie nicht in Frage kam und ein weiterer Patient vor Beginn der Therapie starb. Stimuliert wurde überwiegend der Nucleus subthalamicus (n = 174), in vier Fällen der Globus pallidus. Primärer Endpunkt war die per Patienten-Fragebogen ermittelte Selbsteinschätzung der Lebensqualität nach einem Jahr. Mit dem speziellen Fragebogen wurden insgesamt 39 Faktoren abgefragt – etwa Mobilität und Alltagsaktivitäten.
Die Auswertung ergab einen statistisch signifikanten Vorteil für die Kombinationstherapie bei einem Index, der alle einzelnen Faktoren berücksichtigte, und darüber hinaus auch bei drei Einzelfaktoren.Weitere statistisch signifikante Differenzen wurden nicht festgestellt. Bei 36 Patienten (19 Prozent) kam es zu schwerwiegenden Komplikationen im Zusammenhang mit dem invasiven Eingriff. Suizide gab es nicht, allerdings einen postoperativen Suizidversuch und einen operationsbedingten Todesfall. Schwerwiegende Komplikationen im Zusammenhang mit der Erkrankung und der Medikation traten bei 20 Patienten der stimulierten Patienten auf. In der Vergleichsgruppe waren 13 Patienten betroffen.
Der signifikante Vorteil der kombinierten Therapie war laut Williams allerdings nicht ganz so groß wie in vorangegangenen Studien. Dies könne allerdings auch an der optimierten Arzneimitteltherapie in der aktuellen Untersuchung gelegen haben, berichtet er in „Lancet Neurology“.

Außerdem können die Ergebnisse der Stimulation womöglich noch verbessert werden, wenn es gelingt, zum Beispiel die Elektroden noch präziser zu platzieren und jene Patienten zu definieren, die am ehesten von dem Eingriff profitieren könnten.

Weitere Informationen: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Hirnstimulation bei Parkinson: Erfolgreiche Ein-Jahres-Daten

  1. B. R.

    Hirnstimulation bei Parkinson: dieser Text sagt nichts aus über die Anzahl positiver Fälle. Aber zeigt deutlich: 36 schwerwiegende Komplikationen, 2 Tote, 20 Komplikationen Medikamente – 58 von 366 = 16% –> Kopf weg von dieser Operation. Mit Protein-Diät und speziellem Dosierplan für LD und Agonist ist mehr zu erreicheichen ohne die Risiken.

  2. tommasinifire

    Angaben dazu, wie viel Prozent der beiden Gruppen sich gebessert haben, gibt es von den Autoren nicht. Das war auch kein Endpunkt. Die Studie ist auch noch nicht beendet – es sind nur die 1-Jahresdaten. Eine Aussage, die Wahrscheinlichkeit, dass es nach der OP besser ist, beträgt so oder soviel Prozent, ist methodisch bedingt auch nicht gemacht worden. Das Entscheidende ist, dass die Stimulation eine mögliche Option ist – mit eben potenziellen Risiken. Ob man die in Kauf nehmen will, kann und muss jeder Patient für sich selbst entscheiden. Die Stimulation ist zudem keine Standard-Therapie und im Moment eine Ultima Ratio. Im Übrigen ist ein Patient Op-bedingt gestorben, nicht zwei.

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