Depressionen: Erfolgreiche transkranielle Stimulation

Einige depressive Patienten, die Antidepressiva entweder nicht tolerieren oder nicht auf sie ansprechen, profitieren eventuell von einer transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Ergeben hat dies eine randomisierte und kontrollierte Studie, die von den “National Institutes of Health” (NIH) in den USA finanziert wurde und jetzt in den „Archives of General Psychiatry“ erschienen ist.

Nach Angaben der Autoren wurde mit der rTMS bei 14 Prozent der Patienten eine Remission erzielt. In der Gruppe mit einer Schein-Stimulation waren es dagegen nur fünf Prozent, was einem odds ratio von 4,2 entsprach. Um bei einem Patienten eine Besserung zu erzielen, müssen 12 behandelt werden.

„Die rTMS erfüllt zwar nicht die früher in sie gesetzte Erwartung, invasive Therapien zu ersetzen. Die aktuelle Studie legt jede den Schluss nahe, dass sie bei einigen Patienten, denen Antidepressiva nicht helfen, eine wirksame Behandlung ist“, sagte Professor Thomas R. Insel, Direktor des „National Institute of Mental Health“, das zu den „NIH“ gehört. Laut Studienleiter Dr. Mark George (Universität von South Carolina trägt die Studie dazu bei, die Frage zu klären, ob die rTMS bei Depressionen wirkt.

An der Studie nahmen 190 Patienten teil. Sie wurden entweder mit der rTMS (n = 92) behandelt oder nur scheinbar (n = 98) stimuliert, wobei streng darauf geachtet wurde, dass weder die Patienten noch die Ärzte die Scheinstimulation von der richtigen rTMS unterscheiden konnten. Hierzu war extra eine spezielle Scheinstimulations-Vorrichtung gebaut worden, dessen Geräuschentwicklung und Aussehen dem der wirklichen Stimulations-Vorrichtung entsprachen. Dies war insofern von großer Bedeutung, als bei früheren Studien zur rTMS immer wieder die unzureichende „Placebo“-Kontrolle und damit auch die Verblindung ein Problem darstellten.

Die erste Therapiephase betrug drei Wochen, in denen die Patienten an den Werktagen (pro Sitzung 37,5 Minuten) behandelt wurden. Patienten, die auf die rTMS angesprochen hatten, wurden dann noch weitere drei Wochen behandelt. Bei 13 der 92 Patienten der Verumgruppe wurde eine Remission erreicht, in der Kontrollgruppe dagegen nur bei fünf Patienten. Am ehesten wurde eine Remission bei den Patienten erzielt, die als mäßig und nicht schwer therapieresistent eingestuft wurden. Patienten mit Remission erhielten dann noch Antidepressiva (Venlafaxin und Lithium), um so den Therapieeffekt zu stabilisieren. Nach Angaben der Autoren hielt der Behandlungseffekt bei den meisten mehrere Monate an.

Da in der aktuellen Studie keine Krampfanfälle und Selbstmorde auftraten und die Nebenwirkungsraten in beiden Therapiearmen relativ gleich waren, empfehlen die Autoren, in weiteren Untersuchungen stärker zu stimulieren. Denn aus früheren Studien sei bekannt, dass der Effekt der rTMS mit der Stärke der Stimulation zunehme. Etwas eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie durch die für eine statistische Signifikanz etwas zu geringe Patientenzahl. Bei der Planung waren 240 Patienten vorgesehen, nicht 190. Außerdem sei nicht ganz auszuschließen, dass eventuell doch einige Therapeuten und Patienten zwischen der realen rTMS und der Scheinstimulation zu unterscheiden lernten.

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Depressionen: Erfolgreiche transkranielle Stimulation

  1. Es gibt in Wolfrathausen bei München einen Arzt namens Dr. med. Oliver Seemann, welcher schon seit Jahren Depressionspatienten mit rTMS behandelt. Es macht dabei keine Studien mit Doppelblind etc, sondern behandelt seine Patienten wie sie kommen. Nach seiner Aussage liegt die Erfolgsrate bei seinen mittlerweile mehr als 100 behandelten Depressionspatienten bei über 70% (bei seinen behandelten Alzheimerpatienten ist sie etwas höher bei mehr als 80%!).
    Es zeigt, wenn man sich genau auf den jeweiligen Patienten einstellt, die Dauer und Intensität der Behandlungsimpluse nicht nach dem Schema einer Studie vorgibt, sondern individuell entsprechend den Eigenschaften eines Patienten einstellt, dann kann man wesentlich bessere Resultate erzielen.
    Wenn jemand fischen geht, macht es auch keinen Sinn, dass man die Angel mit Hilfe einer Stoppuhr immer einwirft unf wieder herauszieht. Warum werden so blöde Dinge in der Medizin gemacht?

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