Ein Workshop: Kritischer Medizinjournalismus

Das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt veranstaltet am 25. und 26. Juni einen Workshop zum Thema „Kritischer Medizinjournalismus“. Vor vielen Jahren wäre das noch ein weißer Schimmel gewesen. Inzwischen ist das fast schon ein Widerspruch in sich. Beweise hierfür liefert die Presse täglich.

Beispiele: Die häufige Verwechselung von Korrelation und Kausalität, selbst in so genannten Fachmedien.

Das Hochjubeln von neuen Medikamenten (neu heißt vor allem, dass es noch Anzeigen gibt) unter Verschweigen der vielen kritischen und kontroversen Meinungen außerhalb der Industrie – siehe Prasugrel, Multaq, Avandia usw.

Das reflexhafte, verbale Niedermachen der pharmazeutischen Industrie in der irrigen Vorstellung, dies habe etwas mit einem kritischen Geiste zu tun – siehe die Berichterstattung über die Schweinegrippeimpfung und auch die infantile Berichterstattung über Ginkgotoxin Anfang dieses Jahres. Wer hat eigentlich die Originalarbeit von Leistner und Co. gelesen (und verstanden)?

Eine wahre Quelle der Freude ist die häufige Behauptung, das Nebenwirkunsprofil der Substanz A oder X sei auf Placebo-Niveau.

Und geradezu hohlspiegelreif ist ein Satz wie der, dass das Präparat Y die Mortalität hochsignifikant (p = 0,5) reduziert habe. Stand immerhin in einem Fachmedium. Neben einem Beitrag, wonach Übergewicht hohen Blutdruck fördere – was sicher für jeden Arzt im Lande eine ganz harte „News“ ist.
Fazit: der Workshop, unter anderem mit Dr. Klaus Koch vom IQWiG, ist sehr zu empfehlen.  Leider ist zu befürchten, dass die Intelligenz der Leser auch in Zukunft von solchen Dummheiten (siehe oben) beleidigt wird.

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