Journalismus: Bemerkenswertes von Hans Leydendecker

Nur ein kleiner Ausschnitt aus einem lesenswerten Beitrag von Hans Leydendecker (Süddeutsche Zeitung):

„Der Journalist Kurt Tucholsky stellte fest: „Der deutsche Journalist braucht nicht bestochen zu werden. Er ist stolz, eingeladen zu sein, er ist schon zufrieden, wie eine Macht behandelt zu werden.“

(Trotzdem gibt es noch immer „Journalisten“, die sich für wichtig halten, nur weil der Herr Vorstand oder Vorsitzende sie am Samstag anruft, um irgendwas mitzuteilen. So spart man eben eine teure Presseabteilung: Man braucht nur einen ebenso eitlen wie dummen „Mitteilungsjournalisten“).

Leydendecker weiter: „Es gibt viele Spielarten von Bestechung und Bestechlichkeit im Journalismus. Die enge Symbiose, in der viele Reisejournalisten und Reiseveranstalter schon seit Jahrzehnten leben, ist ein Dauerthema für die Journalisten-Seminare. Wenn Verlage sich von Hoteliers, Fluggesellschaften oder Reiseunternehmen zu teuren Trips einladen lassen, ist es schwierig, objektiv zu bleiben. Wer wiederkommen möchte, darf nicht unnett sein.

Auch lassen einige Unternehmen Wirtschaftsjournalisten die Reden für die Hauptversammlung schreiben, über die dann dieselben Journalisten berichten sollen. Gern auch geben Redakteure gestandenen Managern auf Seminaren Tipps, wie sich diese gegen Redakteure wehren können. Redaktionelle Beiträge entpuppen sich nicht selten als pure Werbung, die vom Hersteller oder vom Medium bezahlt werden. Wer Produkte der Pharma-Industrie in der Yellow Press bejubelt, kann manchmal mit fünfstelligen Zusatzhonoraren rechnen.“

(Nur in der Yellow Press? Außerdem: Es soll auch Journalisten geben, die Veranstaltungen moderieren, über die sie dann selbst schreiben. Oder einen abhängigen Redakteur schreiben lassen).

„Guter Journalismus ist teuer. Wer einem freien Journalisten, der von Aufträgen lebt, für eine größere Geschichte 150 Euro zahlt, darf sich nicht wundern, wenn der Kollege manchmal sehr frei ist und sich auch heimlich von Unternehmen ausstaffieren lässt. Korruption kann im doppelten Wortsinn systemimmanent sein.“

(Herr Leydendecker sollte ergänzen, dass die 150-Euro-Story als Sonderpublikation einem Verlag locker 10 000 Euro und mehr bringen kann).

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