Sartan-Metaanalyse: Diskussion um leicht erhöhte Krebsinzidenz

Unter Sartanen, vor allem Telmisartan, sei die Krebsrate zwar sehr gering, aber statistisch signifikant erhöht, melden US-Kollegen heute online vorab im “Lancet Oncology”. Die Risikozunahme betrage während eines Zeitraums von vier Jahren 1,2 Prozent. Die Aussagekraft der Metaanalyse wird von anderen Kardiologen allerdings als eingeschränkt beurteilt; die Daten sollten mit großer Vorsicht interpretiert werden.

Das Team um Dr. Ilke Sipahi (“Case Western Reserve University” in Cleveland) wertete Studien mit insgesamt drei Sartanen (Telmisartan, Candesartan und Losartan) aus. Alle Studien waren bis November 2009 erschienen. Das am häufigsten (in 86 Prozent der Fälle) verwendete Sartan war Telmisartan (Micardis). Während vier Jahren betrug die Krebsinzidenz unter den modernen Antihypertensiva 7,2 Prozent, in der Vergleichspopulation ohne Sartane exakt sechs Prozent. Am stärksten ausgeprägt und statistisch signifikant war der Inzidenzanstieg beim nicht-kleinzelligen Bronchial-Karzinom (0,9 versus 0,7 Prozent). Die Daten reichen laut Sipahi aber nicht aus, um den beobachteten Effekt auf die Krebsinzidenz als Klassen- oder als Substanzeffekt bezeichnen zu können. Eine erhöhte Krebssterblichkeit wurde nicht festgestellt.

Für den US-Kardiologen Professor Steven Nissen sind die Daten auf jeden Fall ein Grund, dass die FDA sich alle Sartan-Daten genauer anschaut. Außerdem sei bei der Verschreibung von Sartanen mehr Vorsicht angezeigt. Boehringer Ingelheim, Hersteller von Micardis, verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass die Sicherheitsdaten aus drei großen Studien (ONTARGET, TRANSCEND und PROFESS) mit mehr als 50 000 Patienten keine Hinweise auf eine erhöhte Krebsinzidenz unter Micardis geliefert hätten. Diese Studien seien allerdings nicht für diese Fragestellung konzipiert worden, sagt Nissen. Metaanalysen wie die von Sipahi hätten jedoch methodisch bedingt Grenzen, erklärt Boehringer Ingelheim.

Professor Clyde Yancy, Präsident der “American Heart Association”, betont in einem Kommentar die vielen belegten Vorteile der Sartane und ihren Stellenwert in der Therapie. Die jetzt vorgelegten Daten sollten sehr vorsichtig interpretiert werden, zum einen aus rein methodischen Gründen, zum anderen aber auch, weil es keine biologische Erklärung für die Bebachtung gebe. Selbstverständlich sollte wie mit jeder anderen Therapie auch mit Sartanen nicht sorglos umgegangen werden. Patienten, die AT-Antagonisten erhielten, sollten ihre Therapie jetzt aber auf keinen Fall ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abrechen. Auch Professor Franz Messerli – Kardiologe aus New York – weist auf die methodisch bedingt eingeschränkte Aussagekraft der Metaanalyse hin. Außerdem, so Messerli, sei es unwahrscheinlich, dass ein Medikament in nur vier Jahren die Entstehung eines Tumors verursache.

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2 Antworten zu “Sartan-Metaanalyse: Diskussion um leicht erhöhte Krebsinzidenz

  1. Hi! Der Artikel war sehr interessant für mich. Eigentlich finde ich die Seite sehr gut.

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