Mehr Transparenz – ein Muss für Alle

Glaubwürdigkeit wird zunehmend ein Thema, über das im Gesundheitswesen öffentlich diskutiert wird. Aktuell ist die Diskussion um die Glaubwürdigkeit der WHO im Zusammenhang mit den kostspieligen Kampagnen gegen die Schweinegrippe. Seit Jahren ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Glaubwürdigkeit von Ärzten, die für irgendwelche Leistungen Honorare von pharmazeutischen Unternehmen erhalten haben oder erhalten.

Die Diskussionen über das Problem des Interessenskonflikts sollten allerdings noch verstärkt werden, denn bislang ist der Umgang damit doch sehr von Pauschalurteilen, Schwarz-Weiß-Malerei und Heuchelei oder nichtssagendem Geschwätz geprägt.

Ein Pauschalurteil ist zum Beispiel die Aussage, dass Wissenschaftler, die für Beratungstätigkeit oder für einen Vortrag Geld von einem Unternehmen erhalten haben, nichts anderes seien als „Mietmäuler“. Warum ist das ein Pauschalurteil? Weil zum Beispiel der eine Wissenschaftler einen Vortrag mit Power-Point-Folien hält, die er selbst erstellt hat und deren Inhalt, acu den kritischen Part, er sich nicht vom Geldgeber hat „genehmigen“ lassen, ein Kollege jedoch genau die Folien in einem Workshop präsentiert, die ihm am Abend zuvor vom „Sponsor“ zugeschickt worden sind.

Schwarz-Weiß-Malerei ist es zum Beispiel, wenn Ärzte mit finanziellen Beziehungen zur Pharmaindustrie grundsätzlich als die „Bösen“ dargestellt werden und jene, die noch nie von einem Pharmaunternehmen honoriert wurden, immer nur als die „Guten“. Denn zum einen soll es auch Damen und Herren geben, die von anderen Geldgebern für erwünschte „Aktivitäten“ entlohnt werden. Zum anderen kann es auch recht lohnenswert sein, sich in der Öffentlichkeit, etwa in Talkshows, als angeblich „unabhängiger pharmakritischer Geist“ zu präsentieren – am besten zusammen mit dem gerade geschrebenen Buch über die böse Pharmaindustrie und die käuflichen Ärzte, das man gerade geschrieben hat. Womit der Aspekt der Heuchelei hinreichend klar sein dürfte.

Voraussetzung für eine konstruktive und differenzierte Diskussion ist natürlich Transparenz. Und zwar deutlich mehr als bislang üblich. Das derzeit bei Kongressen oder Workshops übliche Aufzählen der Firmenkontakte ist zwar schon ein Schritt, aber nur ein kleiner. Viel besser wäre es, grundsätzlich immer auch kritische und konträre Stimmen zuzulassen, auch auf reinen Firmen-Veranstaltungen. Kluge Veranstalter wissen das. Auf zertifizierten Fortbildungsveranstaltungen sollte „Meinungsvielfalt“ ohnehin Pflicht sein.

Transparenz darf sich aber nicht allein auf jene so genannten Meinungsbildner und die pharmazeutische Industrie beschränken. Mehr Transparenz ist selbstverständlich ein Muss für die gesamte „Szene“. Was etwa ist mit dem angeblich so unabhängigen IQWiG? Wie transparent sind dessen Entscheidungswege und Entscheidungen wirklich? Wie unabhängig ist eigentlich die Deutsche Arzneimittelkommission? Was ist mit dem seit Jahren von den Publikumsmedien so gerne zitierten Arzneiverordnungs-Report? Was ist mit all jenen Gesundheits-Medien, die ihren Lesern als Journalismus getarnte PR verkaufen und über „pharmakritische“ Studiendaten gar nicht mehr berichten – auch wenn die halbe Welt darüber redet und die Fakten eigentlich unstreitig sind? Auch hier ist mehr Transparenz notwendig. Und wenn es um eine wirklich gute Sache geht, kann man offen darüber reden. Denn die Bürger, die Patienten, die Leser, sie alle werden zu Recht stinkig, wenn sie auch nur das Gefühl bekommen, dass da irgendwas vielleicht nicht so ganz koscher ist und man sie für dumm verkaufen will. Das Verhalten der Bevölkerung in Sachen Schweinegrippe ist nur ein Beispiel dafür.

Diese notwendige Transparenz kommt selbstverständlich nicht über Nacht und schon gar nicht von alleine. Vorschriften oder Regeln sind wahrscheinlich unumgänglich. Die Angabe der möglichen Interessenskonflikte unter Publikationen ist da ein Schritt in die richtige Richtung. Recht effektiv sind wahrscheinlich soziale Kontrolle und (leider) der öffentliche „Pranger“. Wessen Honorare für „Beratertätigkeiten“ immer wieder öffentlich gemacht und korrekterweise in einen Zusammenhang gestellt werden, wer immer wieder zu Recht als „Mietmaul“ vorgeführt wird, wird sich irgendwann von alleine „seriös“ verhalten. Oder den Mund halten.

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