Heitere Medizin: McStatin und andere Highlights der Woche

In der vergangenen Woche hat es ja wieder ein paar heitere Meldungen aus der Welt der Medizin gegeben, die einen auf die Idee bringen könnten, für die Produzenten und beteiligten Medien solcher Meldungen eine Vergnügungssteuer einzuführen.

Die eine Meldung war die, dass bei sinkenden Temperaturen das Herzinfarktrisiko steigt – mit jeder Abnahme der Temperatur um ein Grad steige das Risiko um zwei Prozent, hieß es in vielen Medien. Wobei allerdings erwähnt werden sollte, dass dies streng wissenschaftlich nur für mittlere Tagestemperaturen zwischen minus drei Grad Celsius bis 27 Grad plus gilt. In diesem Bereich lagen nämlich die mittleren Tagestemperaturen in der Studie von Dr. Krishan Bhaskaran (London), die vor wenigen Tagen im „British Medical Journal“ erschienen ist. Die zweiprozentige Risikozunahme gilt aus gleichen methodischen Gründen auch nur für die 28 Tage nach dem Temperatursturz. Zwei Prozent scheinen wenig zu sein, aber die Autoren schätzen, dass ein Temperaturabfall um ein Grad Celsius in Großbritannien innerhalb von vier Wochen mit täglich rund 200 zusätzlichen Infarkten einhergehe. Andererseits ist dies keine hilfreiche Information für einen Patienten, der natürlich nur wissen will, wie wahrscheinlich es ist, dass ihn persönlich ein Infarkt trifft. Geht man nun – völlig willkürlich –  von einem Infarktrisiko von einem Prozent aus, bedeutet eine zweiprozentige Risikozunahme eine Steigerung von einem Prozent auf 1,02 Prozent. Bei einem Ausgangsrisiko von zehn Prozent sind es es dann schon 10,2 Prozent und bei einem extrem Gefährdeten mit primär 50 Prozent-Chance immerhin 51 Prozent. Das Glas ist also nicht mehr halb voll. Bei einem Temperatursturz um zwei Grad sind es dann 1,04, 10, 4 und 52 Prozent. Ob das wirklich besorgniserregend und Anlass für Gegenmaßnahmen ist, muss jeder selbst entscheiden. Betroffen waren in der britischen Studie übrigens, man glaubt es kaum, meist alte Menschen und Koronarkranke. Und: ASS war mit einer Risikoabnahme verbunden.

Schon dies sind bahnbrechende Erkenntnisse, aber kaum zu überbieten ist die Empfehlung der Autoren, sich bei sinkenden Temperaturen durch warme Kleidung und Heizen der Wohnung zu schützen. Keine Frage, dass dieser hilfreiche Expertentipp von den Medien brav in die Welt hinaus posaunt wurde. Leider unklar bleibt, ob man denn auch bei einem Abfall der Temperatur von 27 Grad Celsius auf 26 Grad die langen Unterhosen und Großmutters Fäustlinge aus dem Schrank holen und die Heizung hochdrehen sollte. Aber das haben die Forscher nicht untersucht. Wer aber trotz fehlender Evidenz daran glaubt, kann sich bei bei einem Temeratursturz von 27 auf 24 oder 23 Grad ruhig in wärmenden Pelz hüllen: Zwischen steigenden Temperaturen und Infarkt-Inzidenz gab es in der britischen Studie keinen statistisch signifikanten Zusammenhang.

Auch ein  zweites Highlight kommt aus Großbritannien, was vielleicht daran liegt, dass die Geistesgrößen des Königreiches die Schlappe der britischen Kicker in Südafrika wettmachen wollen.

Fastfood-Restaurants sollten ihren Gästen zum fetten Hamburger und Milchshake ein Statin reichen, schlagen der britische Kardiologe Dr. Darrel P. Francis und seine Londoner Kollegen vor. Dies würde nach ihren Berechnungen die negativen Auswirkungen eines typischen Fastfood-Menüs mehr als wertmachen, argumentieren die Autoren im „American Journal of Cardiology“. Die Hersteller sollten verpflichtet werden, die Statine kostenlos abzugeben. Die Kosten von fünf Pence pro Dosis seien nicht höher als für Ketchup oder Majonnaise. Die Berechnungen der Autoren zum Nutzen eines Statins bei Fastfood-Essern wurden von der „British Heart Foundation“ finanziert.

Über diese Forderung kann man nun schmunzeln, sie auch empört als „Medikalisierung“ der Gesellschaft oder anrüchige Statin-PR ablehnen. Nimmt man sie aber ernst, drängen sich zwangsläufig weitere Forderungen auf.

Etwa die Forderung, dass Alkohol nur noch in Kombination mit einer Sucht-Beratung und –Therapie angeboten werden dürfte. Winzer könnten dann an jede Weinprobe gleich ein verpflichtendes Sucht-Sseminar anschließen. Referenten gäbe es bestimmt genug. Und sicher fänden sich auch Kassen, die das finanzieren würden und zugleich Kooperationspartner für die mediale Vermarktung gewinnen könnten, etwa das Deutsche Weininstitut und irgendwelche Fachverlage. Daraus könnte dann sogar eine richtige Kampagne entstehen, unterstützt vom Gesundheitsministerium und der EU. Und damit die Winzer nicht befürchten müssten, ein Negativ-Image zu bekommen, müssten die Sucht-Experten nur ab und zu erwähnen, dass Alkohol in Maßen nachweislich dem Herzen und der Seele gut tut. Alles machbar, alles nur eine Frage de Honorars.

Ebenso könnte es sinnvoll sein, Zigaretten, Zigarren und andere Rauchprodukte nur noch in Kombination mit Sucht-Beratung und Champix verkaufen zu dürfen. Umsatzverluste durch die wenigen, die vom Rauchen loskämen, könnten die Tabak-Hersteller durch erhöhte Preise wettmachen. Außerdem wäre Pfizer sicher bereit, etwas vom wahrscheinlich zunehmenden Champix-Umsatz abzugeben. Eine Medien-Kampagne wäre sicher auch möglich – etwa mit dem Slogan „Rauchen ohne Reue“. Und vielleicht wäre Berg-Guru Reinhold Messner bereit, diese Kampagne ebenso zu promoten wie die Pfizer-Kampagne „Rauchfrei durchstarten“. Auch dies wäre sicher nur eine Frage des Honorars.

Zwei weitere heitere Meldungen kommen allerdings nicht von britischen, sondern von kanadischen Wissenschaftlern und aus den USA. Die einen haben festgestellt, dass Tattoo-Träger ein erhöhtes Hepatitis-C-Risiko haben, die anderen, dass Kinder, die unausgeschlafen in die Schule kommen, schlechtere Noten als die Hellwachen.

Das mit der Vergnügungssteuer sollte man wirklich in Erwägung ziehen.

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