Europäischer Herz-Kongress: Präsident kritisiert Preisregulation als Innovationsbremse

Die erzwungene Reduktion der Arzneimittel-Preise und das Fördern billiger Generika könnten die Versorgung mit neuen Medikamenten gegen Herzkreislauf-Erkrankungen gefährden, warnte heute der Präsident des Europäischen Kardiologen-Kongresses  Roberto Ferrari in Stockholm. Mit seiner Warnung folgt der Kardiologe der Argumentation der forschenden Arzneimittelhersteller, die seit Jahren die Regulation von Arzneimittelpreisen als Innovationsbremse kritisieren. Dass so manche Innovation keine ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Die Entwicklung von Herzkreislauf-Präparaten sei ein riskantes und kostspieliges Geschäft, das sehr aufwendige klinische Studien erfordere. Die notwendigen Investitionen seien für die Arzneimittelhersteller jedoch nur dann sinnvoll, wenn sie die Chance hätten, auch lange Zeit mit ihren Präparaten ausreichend Umsatz zu erzielen, so Ferrari bei dem heute eröffneten Kongress. Wenn diese Chance jedoch nicht bestehe, investierten die Unternehmen eher in gewinnträchtige Bereiche wie die Onkologie. Anders als in vielen anderen Bereichen der Medizin werden in der onkologischen Therapie bekanntlich Preise verlangt, die von Kritikern als exorbitant bis hin zu unanständig bezeichnet werden.

Die Kardiologie, so Ferrari, sei leider das Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Denn um heute noch den Nutzen eines Herzkreislauf-Präparates belegen zu können und eine Zulassung zu erhalten, seien sehr aufwendige und teure Studien. Entweder müssten aus statistischen Gründen sehr viele Patienten in eine Studie aufgenommen werden, oder die Studie müsste sehr lange laufen. Womit Ferraris recht hat: 20 000 Patienten sind in der Herzkreislauf-Studie nichts Ungewöhnliches mehr. Auch eine Therapiedauer von mehreren Jahren ist keine Besonderheit. In der Onkologie dagegen sind in Abhängigkeit von der Tumor-Art Studien mit 100 Patienten und sechs bis zwölf Monaten durchaus normal.

Ferrari wies in diesem Zusammenhang auf eine Analyse hin, die das Unternehmen Novartis in Auftrag gegeben hatte. Nach dieser Analyse der “European School of Management and Technology”, die 2002 auf Initiative von 25 führenden deutschen Unternehmen und Verbänden gegründet wurde, soll es einen klaren Zusammenhang zwischen Preisregulation und geringer Innovations-Rate geben. Besonders betroffen seien Herzkreislauf-Präparate, Antibiotika und Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen, etwa die Multiple Sklerose.

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