Kontroverse Diskussion um Ivabradin-Studie

Patienten mit chronisch-systolischer Herztinsuffizienz profitierten von einer zusätzlichen Therapie mit Ivabradin, hieß es gerade auf dem europäischen Kardiologen-Kongress. 18 Prozent habe die Reduktion beim primären kombinierten Endpunkt aus kardiovaskuklärem Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz betragen, berichtete Dr. Michel Komajda (Paris) bei der Präsentation der Ivabradin-Studie in Stockholm. Zeitgleich mit der Präsentation erschien die von Servier unterstützte Studie mit dem Akronym SHIFT im „Lancet“.

Über die Relevanz der Studie gehen die Meinungen unter den Kardiologen jedoch auseinander.

Die Studie belege, wie wichtig der Parameter Herzfrequenz in der Pathophysiologie der Herzinsuffizienz sei und stütze das Konzept, nach dem eine medikamentöse Frequenzreduktion einen klinischen Nutzen habe, so etwa Dr. Inder Anand (Minneapolis) bei der Diskussion der Studie. Für Herzinsuffizienz-Patienten mit einem Sinus-Rhythmus und einer Frequenz von über 70, die keine höheren Betablocker-Dosierungen vertrügen, gebe es nun mit Ivabradin eine begründete Option.

Nicht alle Kardiologen sind allerdings von der Studie so überzeugt wie Anand. Ein Grund ihrer Zweifel ist die nicht optimale Therapie der Studienteilnehmer. Kritisiert wurde vor allem die angeblich nicht optimal dosierte Betablocker-Therapie. Nur 23 Prozent der Patienten hätten die Betablocker-Zieldosis erhalten, nicht einmal die Hälfte (49 Prozent) bekamen wenigstens 50 Prozent der Zieldosis, so der Kommentator Professor John R. Teerlink (San Francisco) im „Lancet“

Es sei, so die Kritiker, daher fraglich, ob die Ergebnisse verallgemeinert werden könnten. Es wäre daher auch voreilig, Ivabradin als eine gesicherte Medikation bei Herzinsuffizienz zu werten. Auch der US-Kardiologe Dr. Clyde Yancy (Dallas) warnte davor, die Ergebnisse von SHIFT überzubewerten. Die Studienpopulation sei, so seine Argumentation, nicht repräsentativ für Herzinsuffizienz-Patienten. Die Studieteilnehmer seien zum Beispiel deutlich jünger gewesen. Außerdem sei die Studie in US Zentren und in Zentren außerhalb der USA (insgesamt in 677 Zentren in 37 Ländern) durchgeführt worden, so dass regionale Unterschiede im natürlichen Verlauf einer Herzinsuffizienz nicht ausgeschlossen seien.

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