Positive Daten zur Stammzellen-Therapie bei Herzinfarkt: eine Hoffnung, mehr aber nicht

Eine Stammzellen-Therapie bei Infarkt-Patienten weckt sei geraumer Zeit Hoffnungen. Nun sind von einer deutschen Arbeitsgruppe um Bodo E. Strauer (Universität Düsseldorf) beim europäischen Kardiologen-Kongress recht positiv erscheinende Studien-Daten vorgestellt worden. Die Ergebnisse dieser Studie mit dem Namen „STAR Heart“ werden von den Düsseldorfer Wissenschaftlern als ermutigend bezeichnet. Der Weg zu einer routinemäßigen Therapie mit Stammzellen bei Infarkt-Patienten ist aber sicher noch weit und steinig. So ist zum Beispiel keineswegs klar, wie genau die Behandlung wirkt. Außerdem: „STAR-Heart“ ist eine nicht-randomisierte Studie.
An der jetzt in Stockholm präsentierten Studie nahmen 391 Patienten mit fortgeschrittener chronischer Herzinsuffizienz (Auswurffraktion ≤ 35 Prozent) teil. 191 dieser Patienten erhielten sind 191 eine intrakoronare autologen Stammzell-Injektion. 200 Patienten wurden der Kontrollgruppe zugeordnet. Die Beobachtungszeit betrug drei Monate bis fünf Jahre. Die Stammzellen aus dem Knochenmark wurden über einen intrakoronaren Ballon-Katheter direkt ins Infarkt-Gewebe appliziert.
Nach Angaben der Wissenschaftler kam es in der Gruppe mit der Stammzellen-Therapie nicht nur zu deutlichen funktionellen Verbesserungen, etwa der Auswurffraktion, Sauerstoffaufnahme und linksventrikulären Kontraktilität. Die Stammzellen-Therapie schien sogar das Leben der Infarkt-Patienten zu verlängern. So starben in der Therapiegruppe innerhalb von fünf Jahren sieben Patienten, in der Kontrollgruppe 31 Todesfälle. Bezogen auf ein Jahr entsprach dies einer Mortalität in der Stammzellen-Gruppe von 0,75 Prozent. In der Vergleichsgruppe war diese Rate mit 3,68 Prozent deutlich höher. Der Unterschied war signifikant.
Laut Strauer wurden diese positiven Ergebnisse, die andere Arbeitsgruppen mit der Stammzellen-Therapie nicht erzielen konnten, möglicherweise durch die Art der Applikation erreicht. Laut Strauer wurden die Zellen via Ballonkatheter direkt in die Infarkt-Zone appliziert. Ein Reflux der Stammzellen wurde durch Aufblasen des Ballons verhindert.
Nach Aussage von Dr. Francisco Fernandez-Aviles (Madrid), bestätigen die deutsche Studie, dass Stammzellen die Regeneration von Myokardzellen verstärken kann. Der exakte Mechanismus jedoch sei unklar. So sei die in der Studie verwendete Menge an Stammzellen eigentlich zu niedrig gewesen, um die Funktion des linken Ventrikels zu verbessern. Möglicherweise spielten zum Beispiel parakrine Effekte eine Rolle.
Strauer und seine Kollegen hatten 2001 weltweit erstmals eine Stammzellen-Therapie bei einem 46-jährigen Herzinfarkt-Patienten angewendet. 2003 berichtete Strauer dann über erste gute Ergebnisse bei 34 Patienten. „Es handelt sich um ein experimentelles Verfahren, das von der Idee her faszinierend und nach den ersten Ergebnissen viel versprechend ist“, urteilte damals der Bochumer Herzspezialist Professor Hans-Joachim Trappe vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Es bleibe allerdings abzuwarten, wie sich die Therapie entwickele. „Das Infarktgeschehen ist ein langfristiges Problem“, sagte Trappe damals der Nachrichtenagentur „dpa“. Vor einer abschließenden Beurteilung des Verfahrens seien wissenschaftliche Studien mit einer größeren Zahl von Patienten über einen längeren Zeitraum nötig.
An dieser Einschätzung ändern auch die aktuellen Daten der Düsseldorfer Arbeitsgruppe nichts. So viel versprechend  die Ergebnisse auch aussehen – für Infarkt-Patienten ist die Stammzellen-Therapie derzeit nur eine Hoffnung. Und die Hoffnung kann bekanntlich ein großes Übel sein. Überschriften in Medien wie die, dass die Stammzellen-Therapie die Mortalität von Infarkt-Patienten senkt“, sind insofern eine unkritische und bedenkliche „Werbung“ für ein Verfahren, dessen Protagonisten noch viel Arbeit vor sich haben.

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