FDA lässt orale Therapie für MS-Kranke zu

Mit Fingolimod (Gilenya) vom Unternehmen Novartis ist heute in den USA eine orale Therapie für MS-Kranke zugelassen worden. Nach Angaben der FDA, der zuständigen US-Behörde, mindert Fingolimod das Voranschreiten der Behinderung, die Frequenz der MS-Schübe und die Symptome der Erkrankungen. Gilenya ist nicht das erste orale Präparat gegen MS, das eine Zulassung für diese Indikation bekommen hat. Merck Serono hatte ür das ebenfalls orale Präparat Cladribin (Movectro) bereits im Juli in Russland und im September in Australien die Zulassung erhalten. Aber: Erst Ende Juli 2010 akzeptierte die FDA den Cladribin-Zulassungsantrag und sagte ein beschleunigtes Verfahren zu. Das so genannte „Priority Review“ bedeutet, dass die FDA über den Antrag nicht innerhalb der üblichen zehn Monate, sondern schon nach bis zu sechs Monaten entscheidet. Merck rechnet daher bereits im vierten Quartal mit einer Entscheidung der US-Behörde.

Bei MS-Kranken, die mit Gilenya behandelt werden, sollte zu Beginn auf einen Abfall der Herzfrequenz geachtet werden. Das Präparat (erhältlich in Kapselform mit je 0,5 Milligramm Wirkstoff) kann laut FDA zudem das Risiko für Infektionen erhöhen. Aufgrund vereinzelter Fälle eines Makulaödems seien ophthalmologische Kontrollen empfehlenswert. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen, über die Patienten in den kontrollierten Studien klagten, gehören Kopfschmerzen, Grippesymptome, Durchfall und Rückenschmerzen. Außerdem seien erhöhte Leberenzym-Werte beobachtet.

Für Fingolimod wie für Cladribin gilt, dass sie über unterschiedliche Mechanismen die Zahl der im Körper zirkulierenden aktivierten Immunzellen (Lymphozyten) vermindern und dadurch die nachfolgende Entzündungsaktivität im Gehirn unterbinden. Die Professoren Hans-Peter Hartung und Orhan Aktas vom Universitätsklinikum Düsseldorf hatten bereits im März für die „Deutsche Gesellschaft für Neurologie“ zu diesen neuen Therapieansätzen Stellung genommen:

„Cladribin ist ein seit 20 Jahren bekanntes Medikament und bislang in parenteraler Form zur Behandlung bei Haarzell-Leukämie zugelassen. Als Nukleosidanalogon blockiert es die DNA Synthese, wobei offenbar Lymphozyten besonders empfindlich sind. Fingolimod ist der erste Vertreter der Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren und war ursprünglich in der Transplantationsmedizin entwickelt worden. Diese Substanz wurde im Rahmen der an jeweils mehr als 1200 Patienten durchgeführten FREEDOMS- und der TRANSFORMS-Studie als tägliche Einmaldosis in zwei unterschiedlichen Dosierungen verabreicht und war in beiden Studien gut verträglich.

In großen, jeweils unabhängigen Phase-III-Studien zeigte sich sowohl für Cladribin (CLARITY-Studie) als auch für Fingolimod (FREEDOMS), dass beide Substanzen im Vergleich zu Placebo die Zahl der Schübe vermindern und das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen. Für Fingolimod wurden die Ergebnisse einer weiteren Studie (TRANSFORMS) veröffentlicht, bei der die Substanz mit einem zugelassenen Standard-Präparat (intramuskuläres IFN-beta1a, Biogenidec) über 12 Monate verglichen wurde. Hier zeigte sich, dass als Tablette verabreichtes Fingolimod die Zahl der Schübe stärker senkt als die Standard-Therapie.

Bei der CLARITY-Studie (mehr als 1300 Teilnehmer) wurde Cladribin jeweils in 2 (niedrige Dosis) oder 4 (hohe Dosis) Zyklen im ersten Jahr und 2 Zyklen im zweiten Jahr für jeweils nur 4-5 Tage je Zyklus (Dauer: 4 Wochen) verabreicht. Bei insgesamt guter Verträglichkeit fanden sich unter der Cladribin-Behandlung häufiger Herpes-zoster-Infektionen, die aber erfolgreich antiviral behandelt werden konnten.

Als erwartete und vorübergehende Nebenwirkung trat eine Abnahme der Herzfrequenz bei der Erstgabe auf. Unter der höheren Dosierung wurden allerdings vereinzelte, ernstzunehmende, in 2 Fällen tödlich verlaufende Herpes-Infektionen beobachtet, sowie Makulaödeme (6 in der TRANSFORMS-, 7 in der FREEDOMS-Studie), die in der Mehrzahl der Fälle vollständig rückläufig waren. Unter beiden Substanzen traten vereinzelte Fälle von bösartigen Tumoren auf (CLARITY 4 in der Verumgruppe; TRANSFORMS und FREEDOMS 14 bzw. 11 in allen Gruppen, vorwiegend Hauttumore), ohne dass bisher eine eindeutige Beziehung zum Wirkmechanismus der Präparate festgestellt werden konnte.“

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