Hormontherapie: Pfizer greift Autorin und Fachzeitschrift an

Meist werfen ja Medien anderen, etwa Ärzten oder Wissenschaftlern, Interessenskonflikte oder Mauscheleien vor. Dass es auch anders herum geht, zeigt der aktuelle Fall Pfizer gegen PLoS Medicine: Das weltgrößte Pharmaunternehmen wirft der Fachzeitschrift vor, Interessenskonflikte nicht ausreichend offenbart zu haben. Konkret geht es um eine aktuelle Publikation der Professorin Adriane Fugh-Berman von der Georgetown-Universität in Washington. Fugh-Berman hatte in ihrer mit vielen Dokumenten belegten Publikation dem Unternehmen Wyeth (inzwischen Pfizer) vorgeworfen, mit Hilfe von Medizinjournalisten als „ghostwritern“ gezielt die Risiken der HRT heruntergespielt zu haben.

Die Professorin für Alternativ- und Komplementärmedizin engagiert sich seit vielen Jahren, unter anderem als Buchautorin und Kolumnistin, speziell für das Thema Frauengesundheit. Darüber hinaus hat sie sich in mehreren Publikationen mit dem Einfluss pharmazeutischer Unternehmen auf Ärzte und Medien befasst. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern betreibt sie außerdem an der Georgetown-Universität das Projekt „PharmedOut“, mit dem Ärzte darüber aufgeklärt werden sollen, wie Pharmafirmen versuchen, das Verschreibungsverhalten zu manipulieren. Fugh-Berman ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker haben ihr schon vor zwei Jahren vorgeworfen, gezielt für juristische Auseinandersetzungen die  objektive und unabhängige Expertin nur zu mimen  – natürlich nicht für Gotteslohn.

Genau in diese Richtung geht nun auch die Kritik von Pfizer: Fugh-Berman habe in der PLoS-Publikation zwar angegeben, früher schon als Beraterin für Juristen gearbeitet zu haben. Sie habe aber nicht offengelegt, dass sie auch derzeit Patienten-Anwälte und Kanzleien berät, die Pfizer in der Sache HRT angreifen. In einem Brief an PLoS wirft Pfizer den Verantwortlichen der Zeitschrift zudem vor, nicht anders als Fugh-Berman nur den Interessen der Kanzleien zu dienen, die Klagen gegen Pfizer angestrengt haben.

Virginia Barbour von PLoS Medicine bestreitet dies natürlich. Es sei allein darum gegangen, die Praktiken von Wyeth bei der Vermarktung der HRT aufzudecken. Es gebe keinerlei Beziehungen, auch keine finanziellen, zu Anwälten, die an dieser Sache beteiligt seien.

Unabhängig davon, was in dieser Angelegenheit wahr ist und was nicht, was Propaganda und Gegenpropaganda: Wer glaubt, dass medizinische Fachzeitschriften keine materiellen Interessen hätten und so genannte Pharmakritiker immer nur selbstlose Idealisten seien, glaubt wahrscheinlich auch noch an den Klapperstorch. Medizinische Fachzeitschriften etwa erzielen ihre Umsätze vor allem mit Anzeigengeschäften, mit Fachgesellschaften, die von Unternehmen „unterstützt“ werden, und auch mit direkten „Druckkostenzuschüssen“ durch Pharma- und Medizintechnikfirmen.

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