Stammzell-Studie bei Querschnittlähmung gestartet

US-Kollegen haben damit begonnen, den ersten Patienten einer Phase-1-Studie mit humanen embryonalen Stammzellen zu behandeln. Details der Studie mit dem Präparat des Unternehmens Geron gelten allerdings als vertraulich. Behandelt wird der Patient, der ein spinales Trauma erlitten hat, im „Shepherd Center”, einem Rehabilitations- und Forschungszentrum in Atlanta

Das Biotech-Unternehmen Geron hat Anfang August von der FDA die Erlaubnis bekommen, ein Präparat mit embryonalen Stammzellen bei komplett querschnittgelähmten Patienten zu erproben.

Das Unternehmen hatte bereits Anfang 2009 eine tierexperimentelle Studie mit dem Präparat GRNOPC1 begonnen. Wegen Sicherheitsbedenken und Komplikationen wurde die Studie mit dem Präparat aus embryonalen Stammzellen allerdings nach sieben Monaten gestoppt. Bei einigen Tieren hatten sich vermehrt intraspinale Zysten entwickelt.

An der neuen Studie sollen acht bis zehn Patienten mit frischer traumatischer Querschnittlähmung teilnehmen. Da GRNOPC1 außer Vorläuferzellen der Oligodendrozyten auch andere Zellen enthält, hat das kalifornische Unternehmen extra einen Verfahren entwickelt, mit dem die Reinheit des Präparates geprüft werden kann.

Bei Tieren untersucht Geron derzeit, ob GRNOPC1 auch bei anderen neurologischen Erkrankungen, etwa Morbus Alzheimer und Multiple Sklerose, eine Option werden könnte. Das US-Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben auch onkologische Präparate einschließlich eines Tumor-Impfstoffs.

Selbstverständlich sind die Hoffnungen groß, dass es mit dem Geron-Präparat irgendwann eine wirklich nützliche Pharmakotherapie für Querschnittgelähmte oder Patienten mit Hirnverletzungen gibt. Aber die Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten mit pharmakologischen Ansätzen stimmen nicht sehr optimistisch. Im Tierexperiment haben zwar immer wieder unterschiedliche Substanzen „Wirkungen gezeigt“, etwa das Aussprossen von Nervenfasern. Aber eine wirkliche Relevanz ist noch etwas anderes. Um es etwas plastisch zu formulieren: Selbst wenn ein komplett Querschnittgelähmter nach einer pharmakologischen Therapie wieder gezielt den großen Zeh heben kann, ist das kein wirklicher Erfolg. Worauf es selbstverständlich ankommt, sind Verbesserungen, die im täglichen Leben etwas nützen. Und der Weg zu solchen Pharmakotherapien ist aller Wahrscheinlichkeit und Erfahrung nach immer noch sehr weit. Insofern kommt es bei einer traumatischen Querschnittlähmung auch weiterhin vor allem auf eine sehr gute Erstversorgung und anschließende Rehabilitation an. Da sind zum Glück in den letzten Jahrzehnten – gerade in Europa – enorme Erfolge erzielt worden, etwa mit der Einrichtung von spezialisierten Zentren (mit Stoke Mandeville in Großbritannien als Vorbild)  und  auch mit der heute etablierten operativen Versorgung bei frischen Wirbelsäulenfrakturen, zum Beispiel mit einem Fixateur interne, wie ihn etwa der Ulmer Wirbelsäulenchirurg Dr. Patrick Kluger in den 80er Jahren entwickelt hat.

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