Abnehmen mit der Kraft der Gedanken statt mit Pillen?

Einen neuen Ansatz für eine Diät haben vielleicht US-Forscher gefunden: Wer sich intensiv den Verzehr von Leckerem wie Sahnetorte oder Gänseleberpastete vorstelle, bremse sein Verlangen danach, berichten die Wissenschaftler der „Carnegie Mellon University“ in Pittsburgh in der Zeitschrift „Science“.

Angesichts der großen Flaute bei medikamentösen Ansätzen wäre eine Strategie, die auf diesem experimentellen Befund aufbaut, vielleicht ein Lichtblick für alle, die abnehmen wollen, und auch für die Krankenkassen in den USA und Europa.

Herausgefunden haben die „Appetitbremse“ Forscher um Dr. Carey K. Morewedge, indem sie untersuchten, wie sich wiederholtes Denken an den Genuss bestimmter Lebensmittel, etwa an Schokobonbons, auf deren Verzehr auswirkt.

Ergebnis: Probanden, die sich 30 Mal vorgestellt hatten, ein Schokobonbon zu essen, hielten sich bei der realen „Schlacht ums Süße“ deutlich stärker zurück als jene Probanden, die sich den Bonbonverzehr nur dreimal bewusst eingebildet hatten. Das Experiment funktionierte auch mit Käsewürfeln: Wer mehrfach nur in Gedanken davon gekostet hatte, aß dann in Wirklichkeit weniger Käse (aber nicht Schokolade).

Psychologen bezeichnen den Prozess, der hinter diesem Verhalten steckt, als Habituierung: Um so mehr man einem Reiz ausgesetzt ist, desto weniger reagiert man darauf. Die Hoffnung der Forschung ist natürlich, dass ihre Beobachtung nicht allein für Strategien gegen eine gesteigerte Lust auf kulinarische Genüsse genutzt werden kann, sondern auch für Therapieprogramme gegen Nikotin- und Alkoholsucht.

Angesichts der steigenden Zahl der Übergewichtigen und Adipösen in den USA und auch Europa wäre es allerdings schon wünschenswert, wenn allein das Verlangen nach Süßem und Fettem mittels Einbildung gebremst und das Körpergewicht  so nachhaltig gesenkt werden könnte. Dies gilt umso mehr, als fast alle pharmakologischen Ansätze bislang nicht besonders erfolgreich waren. Ob daran ein neues Präparat etwas ändern wird, das in dieser Woche von Gutachtern der FDA positiv beurteilt wurde, wird sich zeigen. Die Rede ist von „Contrave“, einem Kombipräparat aus Naltrexon und Bupropion. Die Äußerungen von Wissenschaftlern und Klinikern zu dem Präparat von Orexigen (in Partnerschaft mit Takeda) sind laut Medienberichten in den USA durchaus positiv, aber natürlich nicht völlig frei von Skepsis. Contrave reduzierte in den relevanten Studien das Körpergewicht innerhalb eines Jahres nur um im Mittel 4,2 Prozent und nicht, wie von der FDA gefordert, um mindestens fünf Prozent. Außerdem besteht ein Risiko für eine Blutdruckzunahme, wobei sich das Präparat im Vergleich zu anderen gewichtsreduzierenden Medikamenten als insgesamt verträglicher erwiesen hat. Was noch fehlt, sind jedoch Langzeit-Studien. Aber vielleicht erhält Contrave ja Anfang nächsten Jahres die FDA-Zulassung nicht wegen seines klinischen Nutzens, sondern wegen des Mangels an überzeugenden medikamentösen Alternativen.

 

 

 

 

 

 

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