Orale Bisphosphonate bei Osteoporose: Kiefernekrose noch seltener als gedacht

Nach aktuellen Daten aus den USA sind Kieferosteonekrosen unter oralen Bisphosphonaten mit knapp 0,03 Prozent seltener als bislang angenommen. Die Ergebnisse der US-Studie sind jetzt im „Journal of Dental Research“ erschienen. Auch Zahlen aus dem deutschen Register bestätigen, dass die Rate dieser Komplikation unter einer Bisphosphonat-Therapie bei Osteoporose-Patienten äußerst gering ist. In der Tumor-Therapie ist sie – aufgrund der höheren Dosierung – allerdings nicht ganz so selten.

Ausgewertet wurden im Auftrag der „National Institutes of Health“ die Daten von fast 600 000 Personen aus den Jahren 1995 bis 2006. Insgesamt fanden die Wissenschaftler bei 572 606 Patienten 23 Fälle einer Kieferosteonekrose (0,004 Prozent).  21 164 Patienten erhielten orale Bisphosphonate, überwiegend gegen Osteoporose. Nur bei sechs Patienten entwickelte sich eine Kieferosteonekrose (0,028 Prozent). Bisherige Studien hätten eine Rate von um ein Prozent ergeben, so  Studienleiter Dr. Jeffrey Fellows, Wissenschaftler am „Kaiser Permanente Center for Health Research“. In Relation zu Patienten ohne Bisphosphonat-Therapie sei das Risiko für eine Kieferosteonekrose zwar um den Faktor 9  erhöht. Es gebe aber angesichts des sehr geringen absoluten Risikos keinen Grund, laut „Alarm“ zu schreien. Die Patienten sollten jedoch die bekannten Empfehlungen, etwa zur Zahnhygiene, beachten. Der Nutzen der Präparate überwiege eindeutig das Risiko, betont auch Professor Michael Herson, Chef-Endokrinologe der „Northwest Permanente Medical Group“, der nicht an der Studie beteiligt war. Die Autoren der Studie betonen außerdem, dass der Zusammenhang zwischen oraler Bisphosphonat-Therapie und Kiefernekrose aufgrund der sehr wenigen Fälle nicht klar gesichert sei. So sei es zum Beispiel nicht möglich gewesen, für die Auswertung andere Risikofaktoren der schwerwiegenden ossären Komplikation zu berücksichtigen.

Auch Register-Daten aus Deutschland bestätigen die bei Osteoporose sehr geringe Rate an Kiefernekrosen unter Bisphosphonaten. Nach Angaben von Professor Dieter Felsenberg, einem der Koordinatoren des seit 2004 geführten Registers, wurden bislang 981 Verdachtsfälle gemeldet. Über 90 Prozent der Patienten erhielten die Präparate wegen einer Tumorerkrankung, nur sechs Prozent wegen alleiniger Osteoporose. Die statistische Auswertung ergab bei den Krebs-Patienten eine Nekrose-Rate von einem bis zwei Prozent, bei Osteoporose-Patienten dagegen von nur etwa 0,007 Prozent.

Kieferosteonekrosen kommen nicht nur unter Bisphosphonaten vor. Anfang Dezember 2010 informierte zum Beispiel die „Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft“ mit einem „Rote-Hand-Brief“ über ein mögliches Risiko von Kieferosteonekrosen bei Behandlung mit Sunitinib (Sutent) und gleichzeitiger oder vorheriger Anwendung von Bisphosphonaten.  Unter Prolia (Denosumab) soll die Rate bei Krebs-Patienten etwa ein Prozent betragen; bei Tumor-induzierter Osteoporose liegt sie laut Professor Ingo Diel aus Mannheim deutlich darunter.

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