Morbus Alzheimer – auch eine „Lifestyle“-Erkrankung?

Leichte kognitive Einschränkungen („mild cognitive impairment“, MCI) sind insbesondere in Industriestaaten recht häufig. Nach aktuellen Daten, die jetzt auf einem Alzheimer-Kongress in Paris vorgestellt wurden, betrug die MCI-Prävalenz in den untersuchten Studien-Populationen bis zu 42 Prozent. Die Daten stammen aus den USA, Australien, Deutschland, Schweden Frankreich und Großbritannien. Aus den sechs Studien mit bis zu 12 000 Teilnehmern geht zudem hervor, dass folgende Faktoren auf einen wahrscheinlichen Übergang des MCI-Stadiums in eine Demenz hinweisen:

  • Depressionen
  • Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten
  • Apathie
  • Angst
  • Alter
  • geringer Bildungsgrad
  • kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Diabetes.

Von großer Bedeutung ist laut Professor Henry Brodaty („University of New South Wales“ in Sydney) auch die Erkenntnis, dass die rein subjektive Klage über zunehmende Vergesslichkeit ein sehr ernstzunehmender Hinweis auf ein beginnendes MCI-Stadium sein kann. Eine rasche medizinische Abklärung sei in solchen Fällen auf jeden Fall ratsam, so Brodaty. Empfehlenswert sei vor allem, rechtzeitig gegen jene Faktoren vorzugehen, die therapeutisch zu beeinflussen seien, etwa Bluthochdruck und Diabetes. Eine Kontrolle dieser Risikoparameter könnte auch eine gute Strategie sein, bei MCI-Patienten eine Demenz zu verhindern, betonte auch der US-Neurologe Ronald Petersen („Mayo Clinic“ in Rochester).

Wie wichtig womöglich so genannte Lebensstilfaktoren beim Morbus Alzheimer sind, lassen auch Modell-Rechnungen der Psychiatrie-Professorin Deborah Barnes (Universität von Kalifornien in San Francisco) und ihrer Kollegen vermuten. Danach könnten rund die Hälfte aller weltweiten Alzheimer-Fälle in einem Zusammenhang mit beeinflussbaren Parametern steht, etwa körperliche Inaktivität, Übergewicht und Rauchen. Nur sieben Lebensstil-Parameter tragen laut Barnes zu weltweit 17 Millionen Alzheimer-Kranken bei. Barnes und ihre Kollegen haben den jeweiligen Anteil  sogar berechnet. Hier die Ergebnisse ((in Prozent):

  • niedriger Bildungsgrad: 19
  • Rauchen: 14
  • körperliche Inaktivität: 13
  • Depressionen: 11
  • Bluthochdruck im mittleren Lebensalter: 5
  • Übergewicht im mittleren Lebensalter: 2
  • Diabetes mellitus: 2.

Unklar sei allerdings, ob es hier kausale Beziehungen gebe und ob das Demenz-Risiko sinke, wenn der Lebensstil geändert werde, betonte Barnes, deren Studiendaten auch im „Lancet Neurology“ erschienen sind.

 

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