Eine These: Trizyklika für ältere Patienten vielleicht sicherer als SSRI

Seit Jahren heißt es, SSRI seien verträglicher und vor allem sicherer als die klassischen Trizyklika. Nun meinen britische Kollegen, es könne genau umgekehrt sein. Ihre Begründung sind Studienergebnisse, nach denen bei älteren Menschen unter SSRI Schlaganfälle, Stürze und Frakturen sowie Krampfanfälle häufiger waren als unter den alten Antidepressiva. Auch die Sterberate sei unter neueren Präparaten höher gewesen, berichten Professor Carol Coupland (Universität von Nottingham) und ihre Kollegen im „British Medical Journal“.

Coupland: „Das ist natürlich ein unerwartetes Ergebnis, so dass weitere Studien dazu daher erforderlich sind.“ Notwendig sind weitere Untersuchungen vor allem auch, weil es  sich bei der aktuellen Arbeit nur um eine retrospektive Beobachtungsstudie handelt. Die Aussagekraft solcher Studien ist eingeschränkt. Ursächliche Zusammenhänge können mit solchen Studien nicht bewiesen werden. Darüber hinaus seien in der aktuellen Register-Studie Trizyklika im Gegensatz zu den anderen Präparaten meist relativ niedrig dosiert worden, erklären die Studien-Autoren.

Coupland und ihre Kollegen haben Register-Daten von  knapp 61 000 mindestens 65-jährigen Patienten ausgewertet, bei denen zwischen 1996 und 2007 erstmals Depressionen diagnostiziert wurden. Viele der Patienten hatten außerdem kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes, erhielten also auch mehrere Medikamente.

Bei knapp 1,4 Millionen Antidepressiva-Verordnungen betrug der Anteil der SSRI rund 57 Prozent, der Trizyklika 31 und der MAO-Hemmer 0,2 Prozent. In 13,5 Prozent der Fälle wurden andere Antidepressiva verordnet, etwa Venlafaxin und Mirtazapin.

Laut Coupland ergab die statistische Analyse, dass bei Patienten unter SSRI Schlaganfälle, Stürze und Frakturen, Krampfanfälle und Hyponatriämien häufiger waren als unter Trizyklika. In der Gruppe mit anderen Antidepressiva (prozentualer Anteil 13,5) war die Sterberate größer. Ausserdem seien Suizidversuche, Frakturen, Schlaganfälle und Krampfanfälle häufiger gewesen.

Das Risiko, innerhalb eines Jahres zu sterben, lag für Patienten ohne Antidepressiva bei sieben Prozent, unter SSRI bei 10,6 und unter Trizyklika bei 8,1 Prozent. Am höchsten sei es mit 11,4 Prozent bei Therapie mit anderen antidepressiven Präparaten.

Das Einjahres-Risiko für Schlaganfälle betrug nach den Berechnungen bei Patienten ohne Antidepressiva 2,2 Prozent, unter Trizyklika 2,3, unter SSRI 2,6 und unter anderen Präparaten  drei Prozent. Beim Fraktur-Risiko ergaben sich 1,8 Prozent (ohne Antidepressiva), 2,2 (Trizyklika), 2,7 (SSRI) und 2,8 Prozent (andere Präparate).

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