Sorge über Vergesslichkeit vielleicht das erste klinische Alzheimer-Symptom

Allein das Gefühl, vergesslicher zu werden, geht bereits mit Veränderungen im Hippokampus einher, also jener Hirnregion, die für die Gedächtnisbildung erforderlich ist und bei der Alzheimer-Erkrankung atrophiert. Ein Team deutscher Wissenschaftler hat dies erstmals mit einem bildgebenden Verfahren – und zwar der funktionellen MRT – nachgewiesen. Die Arbeit von Privatdozentin Susanne Erk (Erst-Autorin) von der Charité und ihren Kollegen stützt die Vermutung, dass die subjektive Sorge über zunehmende Vergesslichkeit das erste klinische Symptom der -Alzheimer-Erkrankung sein kann. Die Studie, an der auch auch Forscher der Bonner Universitätsklinik und des  Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen beteiligt waren, ist jetzt in den „Archives of General Psychiatry“ erschienen.

Nach Angaben des Teams um den Bonner Psychiater Professor Frank Jessen ergaben die fMRT-Untersuchungen bei kognitiv gesunden Probanden, die nur über Vergesslichkeit klagten, eine reduzierte Aktivität im Hippokampus während Gedächtnis-Aufgaben  Zugleich war die Aktivität im rechten Frontalhirn erhöht – vermutlich kompensatorisch, erklärt Professor Henrik Walter (Charité), einer der beteiligten Wissenschaftler. Insgesamt nahmen 39 kognitiv gesunde, knapp 70-jährige Personen an der Studie teil, 20 von ihnen klagten über zunehmende Vergesslichkeit.

Zu Erinnerung: Erst vor rund einem Jahr hatten Jessen und seine Kollegen Ergebnisse einer Längsschnitt-Untersuchung veröffentlicht, nach der selbst Patienten, die noch keine „leichte kognitive Beeinträchtigung“ („Mild Cognitive Impairment“) haben, aber an zunehmender Vergesslichkeit leiden, überdurchschnittlich häufig eine Demenz entwickeln („Archives of General Psychiatry“). Inzwischen haben der Bonner Psychiater und seine Kollegen einen praxistauglichen Score entwickelt, der eine ausreichend präzise Vorhersage-Genauigkeit besitzen soll. Der Score könne unter anderem auch für Präventions-Programme geeignet sein, so Jessen und seine Mitautoren vor wenigen Monaten in der Zeitschrift „PlosOne“. Geprüft wurde der Score bei 3055 über 75-jährigen Personen ohne Demenz (alles Patienten aus Allgemeinarzt-Praxen). Nach einer Eingangsuntersuchung wurden drei weitere Untersuchungen im Abstand von je 18 Monaten vorgenommen. Primärer Endpunkt war die Alzheimer-Demenz-Inzidenz. Zur Score-Bildung wurden mehrere Parameter verwendet: Alter, MMS, ADLS (activities of daily living scale), Wort-Erinnerungs-Vermögen, verbale Flüssigkeit und vor allem auch subjektive Angaben zur Vergesslichkeit.

Die Auswertung der Daten zeigte eine Vorhersage-Genauigkeit von 84 Prozent in einer ersten Kohorte und von 79 Prozent in einer zweiten. Für die Sensitivität ergab sich ein Wert von knapp 80 Prozent, für die Spezifität ein Wert von 66,4 Prozent. Der positive Vorhersage-Wert lag bei 14,7 Prozent, der negative bei fast  98 Prozent. Die Studie belegt nach Aussage der Wissenschaftler, dass es mit dem relativ einfachen und kostengünstigen Score möglich ist, in der Praxis ohne aufwendige technische Hilfsmittel recht zuverlässig das Risiko einer Alzheimer-Demenz einzuschätzen. Ein wesentlicher Bestandteil des Score ist laut Jessen die subjektive Angabe der Patienten, unter Vergesslichkeit zu leiden. Unklar ist, ob der neue Score auch für Menschen unter 75 Jahren geeignet ist. In der aktuellen Längsschnitt-Studie wurden allein über 75-Jährige berücksichtigt.

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